Bund der Steuerzahler NRW - Windige Pläne in Mönchengladbach


07.11.2012

Windige Pläne in Mönchengladbach

Die Stadt plant einen Eventhangar für eine „Tante Ju“ – wie oft das Flugzeug allerdings vor Ort sein wird, ist unklar.


Foto: Mark Yuill/ Fotolia)
Die Stadt Mönchengladbach plant am Flughafen Mönchengladbach für 4,5 Millionen Euro eine Ausstellungshalle für eines der letzten flugfähigen JU 52-Flugzeuge, die so genannte Tante Ju. Eigentlich sollte die Propellermaschine Ende 2012 ihren Dienst einstellen. Damit das Flugzeug nicht in einer Garage verschwindet, will man es nun in einem Eventhangar präsentieren. Doch die alte Tante will vom Ruhestand nichts wissen und wird weiter munter durch die Lüfte knattern. Der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen (BdSt NRW) hält die Pläne für den Eventhangar daher für ziemlich windig.

Mönchengladbach. Es ist die Geschichte einer alten Tante, die einfach nicht in den Ruhestand möchte. Eines der letzten flugfähigen JU 52-Flugzeuge, auch Tante Ju genannt, sollte eigentlich in der Geburtsstadt ihres Erfinders Hugo Junkers dauerhaft landen und als touristisches Highlight in einer Halle ausgestellt werden. So die Vorstellungen der Stadt Mönchengladbach, die diese Idee unter dem Titel „Die letzte Landung der Ju 52“ bei einem Landeswettbewerb einreichte und gewann. So die Idee – doch dann kam es anders.

Die Jury, die den Wettbewerbsbeitrag prämierte, forderte weitere Aktivitäten, um den Erlebniseffekt zu verstärken. Das Konzept wurde überarbeitet und sieht derzeit eine Ausstellungshalle mit der Ju 52 als Hauptattraktion vor. Sie soll Platz für 200 Personen an Tischen oder 400 Personen in Reihenbestuhlung bieten. Im ersten Obergeschoss soll es neben zwei Seminarräumen ein Restaurant der gehobenen Klasse geben. Dieses Restaurant soll für den Abendbetrieb geplant sein, kann aber auch für kleinere Veranstaltungen gebucht werden. Um die Landesförderung zu erhalten, sollte die Stadt Mönchengladbach außerdem gewährleisten, dass der Eigentümer der Ju 52, der Verein der Freunde historischer Luftfahrzeuge, die Maschine als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt und diese für 15 Jahre am Standort bleibt.

Doch nun wird Tante Ju nicht wie geplant in den Ruhestand gehen. Die private Finanzierung für die Weiterführung der Flugfähigkeit konnte vor kurzem sichergestellt werden. Tante Ju wird also nicht immer in ihrem teuren Alterssitz zu bewundern sein. Wie oft die Maschine unterwegs sein wird und was den Hangar noch reizvoll macht, wenn sie ausgeflogen ist, konnte die eigens gegründete Event-Hangar-Mönchengladbach GmbH nicht erklären.

Mit 4,5 Millionen Euro rechnet man derzeit für das Projekt. Mehr als drei Millionen Euro sollen vom Land kommen, 860.000 Euro wollen die Stadt und die Entwicklungsgesellschaft Mönchengladbach zu dem Projekt beisteuern. Den Rest sollen Sponsoren dazulegen. Wäre das Projekt auch mit einer dauerhaft präsenten Tante Ju mit Blick auf die angespannten Landesfinanzen schon äußerst zweifelhaft, so wird es mit einer Ju 52, die weiter durch die Lüfte knattert, völlig überflüssig und zu einer drohenden Verschwendung von Steuermitteln.

Doch noch ist es nicht zu spät, das Projekt in den Wind zu schießen. Ein Baubeginn wird frühestens im Spätsommer 2013 erwartet, die Förderzusage ist noch nicht erteilt, und einen Betreiber, der die wirtschaftlichen Risiken trägt, gibt es wohl auch noch nicht.
Ehrung wird Hugo Junkers in Mönchengladbach übrigens auch ohne den Eventhangar zuteil. Und zwar ganz ohne Steuermittel. Ein örtliches Gymnasium hat bereits zwei Dauerausstellungen inklusive Broschüre selbst organisiert und finanziert. Zudem soll das Modell eines weiteren Flugzeugs von Hugo Junkers im Stadtgebiet platziert werden. Das wird über private Spenden finanziert. Und der Eigentümerverein der Ju 52 wird mit seiner Wanderausstellung nach Mönchengladbach kommen.
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