Bund der Steuerzahler NRW - Wie teuer war die Tour de France für Düsseldorf?


12.11.2017

Wie teuer war die Tour de France für Düsseldorf?


(Foto: Pixabay)
Anfang Juli startete die Tour de France in Klein Paris, wie die Einwohner die Landeshauptstadt gerne nennen. Düsseldorf war auf den Beinen und feierte den Grand Départ – trotz heftigen Regens die Rennstrecke entlang. Einer feierte dabei in der Pole Position: OB Thomas Geisel. Doch es gab von Anfang an Misstöne – und die gibt es noch immer.

Bereits OB Joachim Erwin (CDU) träumte von einem Auftakt des weltgrößten Radrennens und bewarb sich um den Prolog. Im September 2008 zog Nachfolger OB Dirk Elbers (CDU) die Bewerbung plötzlich wieder zurück; als Grund nannte er „die zu großen Unwägbarkeiten der Veranstaltung, vor allem, was ihren Nutzen für die Stadt angeht“. Gerade den Nutzen und Mehrwert für die Stadt hielt der heutige OB Thomas Geisel (SPD) aber für besonders hoch und setzt die Tour 2015 wieder auf die Agenda: Rund elf Millionen Euro sollte das ganze Event laut damaligem Finanzierungsplan kosten.

Startschwierigkeiten

Die Idee stieß jedoch auf wenig Gegenliebe: Die FDP war strikt dagegen, die CDU wollte auch keine Tour, die Grünen wurden mit dem Ausbau des Radverkehrs geködert. Im November 2015 stimmte der Rat ab, und eine hauchdünne Mehrheit (40:39 Stimmen) besiegelt die Bewerbung – dank der Stimmen von rechts außen. Diese Kröte wurde geschluckt, die Bewerbung verschickt, und Düsseldorf bekam den Zuschlag.
Geisel war sich immer sicher, dass die Millionen gut angelegt seien und der Imagegewinn sich in Zahlen niederschlagen würde. Laut einem Gutachten der Wirtschaftsprüfer von Deloitte & Touche fließen indirekt durch den Grand Départ Gewerbesteuer-Mehreinnahmen von 2,28 Millionen Euro an die Stadt. Der langfristige Effekt soll sogar bei rund 63,8 Millionen Euro liegen, die Einzelhandel, Hotel- und Restaurantbesitzer über die Tour hinaus mehr verdienen werden.

Das liebe Geld

Ein frommer Wunsch, denn seit Monaten geht es in Düsseldorf vor allem um die Kosten. So war es bereits im Vorfeld schwierig, Sponsoren zu finden. Schließlich gingen die Stadttöchter mit gutem Beispiel voran und ließen die Spendentöpfe klingeln: Messe Düsseldorf, Stadtwerke, Abfallwirtschaft, Rheinbahn und Flughafen waren fünf der sechs Hauptsponsoren. Stimmen wurden laut, dass dieses Geld zum städtischen Eigenanteil hinzugerechnet werden müsse. Geisel erklärte, dass von den Stadttöchtern nur 30 Prozent der Gesamt-Einnahmen kämen.


VIP-Tickets, die bis zu 675 Euro pro Stück kosteten, verkauften sich sehr schlecht. So entgingen der Stadt wichtige Einnahmen. Man habe sich mit den VIP-Tickets massiv verkalkuliert, so Geisel heute.
Mittlerweile liegt die vorläufige Endabrechnung vor: 15,8 Millionen Euro an Ausgaben stehen laut Stadtverwaltung Einnahmen von nur acht Millionen Euro gegenüber. „Geschönt“, meinen CDU und FDP, „Geisel hat die städtischen Personalkosten weggelassen.“ Teurer wurden vor allem die Sicherheit (2,3 Millionen Euro mehr), Technik, Besucherführungs- und Bewachungsdienste.

Verfahrene Situation

Im August wollte Geisel weitere Rechnungen begleichen und dafür 1,5 Millionen via Dringlichkeitsbeschluss freigeben. Allerdings fehlte ihm die zweite Unterschrift: CDU, Grüne und Linke weigerten sich, zu unterschreiben. CDU-Fraktionschef Rüdiger Gutt begründete dies damit, dass er auf Nachfrage keine Informationen zu den Rechnungen erhielt. Letztlich unterschrieb eine Parteifreundin Geisels. Mit diesem Vorgehen hat er viele Ratsmitglieder verprellt, und bekommt nun die Quittung: Die restlichen Mehrkosten werden vom Rat nicht genehmigt. Auch nach drei Abstimmungen hat Geisel keine Mehrheit. Wahrscheinlich wird nun die Bezirksregierung eingeschaltet.

Was bleibt nach der Tour?

Viele Berichte in den Medien brachte Düsseldorf für ein Wochenende in die Köpfe der Radsportfans. Eine Social-Media-Agentur errechnete einen Werbe-Äquivalenz-Gesamtwert von fast 300 Millionen Euro. Laut einer Umfrage waren 60 Prozent der Befragten nur wegen des Grand Départ in Düsseldorf. Was von Euphorie und Superlativen bleibt, wird allein die Zukunft zeigen. Sportfan Geisel hat unterdessen die nächsten Großprojekte eingetütet: Die Bewerbung um die Fußball-EM 2024 läuft, und bei der Bewerbung der Region Rhein-Ruhr für die olympischen Sommerspiele 2032 soll Düsseldorf eine aktive Rolle spielen.
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