Bund der Steuerzahler NRW - Nationalpark: Teure Angelegenheit mit zweifelhaftem Nutzen

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10.04.2012

Nationalpark: Teure Angelegenheit mit zweifelhaftem Nutzen

In Ostwestfalen haben viele Bedenken gegenüber den Plänen des Landes - auch der BdSt NRW zählt dazu.


(Foto: Dieter76/Fotolia)
In Ostwestfalen plant das Land Nordrhein-Westfalen, Teutoburger Wald und Eggegebirge/Senne als Nationalpark auszuweisen. Doch das Vorhaben stößt bei vielen auf wenig Gegenliebe. Sie haben Zweifel daran, ob der Nationalpark den erhofften Nutzen bringt oder der Region vielleicht sogar wirtschaftlich schadet. Auch der BdSt NRW hat gegen die Pläne Bedenken. Das hochverschuldete Land NRW müsste in den ersten beiden Jahren Kosten von rund 15 Millionen Euro schultern.

Ostwestfalen. Nationalpark - da denkt man an alte Bäume, deren Wipfel sich leise rauschend im Wind wiegen. An Fuchs und Hase, die sich ungestört „gute Nacht“ sagen. An einsame Spaziergänge auf federndem Moos. Wer kann dazu schon „nein“ sagen? In Ostwestfalen sind es viele. Sie sagen „nein“ zu dem Vorhaben, Teutoburger Wald und Eggegebirge/Senne als Nationalpark auszuweisen. Da ist der Lippische Heimatbund. Auch die Gemeinde Augustdorf ist dagegen, und Horn-Bad Meinberg weigert sich, den Stadtwald abzugeben. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lippe zu Detmold meldet Bedenken an. Stephan Prinz zur Lippe, dem große Waldstücke gehören, lehnt den Nationalpark ab. Kritisch sieht auch ein Großteil der CDU in Ostwestfalen die Pläne. Warum eigentlich?

Sechs Ziele verfolgt das Vorhaben: Der Nationalpark soll das nationale Naturerbe in Deutschland sichern; Lebensräume mit nationaler/internationaler Bedeutung erhalten; die wirtschaftliche Entwicklung der Region fördern; die Region für Bürger, Unternehmen und Touristen attraktiver machen; als „Leuchtturmprojekt“ fungieren und die Region damit attraktiv machen für Einrichtungen für Umweltforschung, -bildung und –wissenschaft.
Die Kritiker zweifeln, ob der Nationalpark diese Ziele erfüllen kann und würde.

Die IHK beispielsweise hält den Nationalpark Teutoburger Wald/Eggegebirge für „keine wirtschaftlich vertretbare Option“. Sie befürchtet negative Auswirkungen, besonders auf die Holz- und Forstwirtschaft. In einer Stellungnahme führt sie aus, dass allein in Lippe 69 Unternehmen in der Holzindustrie im Jahr 2009 einen Umsatz von gut 240 Millionen Euro erwirtschafteten. Im selben Jahr erzielten 110 Unternehmen der Möbelindustrie einen Umsatz von rund 400 Millionen Euro. Beide Branchen geben mehreren tausend Menschen in der Region Arbeit. Ein Nationalpark Teutoburger Wald/Eggegebirge würde vor allem Laubholz knapp und teuer machen, so die Befürchtung der Unternehmen. 77 von 160 befragten Firmen fühlen sich bedroht.

Weniger statt mehr Touristen
Der Punkt Tourismus: Ein Gutachten von Roland Berger geht davon aus, dass der Tourismus um zwei Prozent zulegen wird, wenn es zum Nationalpark kommt. Doch diese Zahl ist umstritten. Selbst Berger sagt, dass in Gebieten mit gut entwickeltem Tourismus kein nennenswerter ökonomischer Effekt eintritt. Und touristisch ist Ostwestfalen-Lippe bereits gut erschlossen. Die IHK meint, dass der Tourismus nur von zusätzlichen Attraktionen wie Spiel-, Spaß- und Freizeiteinrichtungen profitieren könnte – für die man aber keinen Nationalpark braucht. Befürchtet wird, dass für den Tourismus eher das Gegenteil eintreten wird. Denn in einem Nationalpark können die Besucher nicht nach Gutdünken umherstreifen. Wie es dann mit den bekannten Touristenattraktionen Hermannsdenkmal, Externsteinen, Donoperteich und Hiddeser Bent aussieht, fragt der Lippische Heimatbund.

Stephan Prinz zur Lippe beanstandet, dass das Land NRW bei der Suche nach einem geeigneten Gebiet für einen Nationalpark nicht nach Arealen mit mehr Staatswald Ausschau gehalten hat. Der gesamte Waldbesitz der Familie zur Lippe liegt in den geplanten Nationalparken. Prinz zur Lippe geht davon aus, dass er seinen Wald nicht mehr uneingeschränkt nutzen kann, sollte er als Nationalpark ausgewiesen werden. Doch der Wald ist seine wirtschaftliche Basis in der Region. Er sieht die Existenz seiner Familie „in der Region in Frage gestellt“.

Herbe Kritik üben die Kommunen, die von einem Nationalpark Senne betroffen wären. Hier liegt ein Truppenübungsplatz, der von den Briten und der Bundeswehr genutzt wird. Die Pläne für einen Nationalpark bezeichnet Dr. Andreas Wulf, Bürgermeister von Augustdorf, als „Bedrohung für den Bundeswehrstandort Augustdorf“. „Sowohl aus Sicht des Naturschutzes als auch aus wirtschaftlicher Sicht sind die aktuellen Bestrebungen zur Ausweisung eines Nationalparks Senne eher schädlich“, so Wulf.

Zu all diesen Argumenten, die die Zweifel am Nutzen eines Nationalparks Teutoburger Wald und Eggegebirge/Senne deutlich machen, kommen die Finanzen. Dem Landesverband gehören große Waldflächen, die im Nationalpark aufgehen sollen und aus deren Bewirtschaftung er jährlich rund zwei Millionen Euro einnimmt. Das Land NRW bietet wertgleiche Flächen im Tausch an. Umkehrschluss: Damit verliert das Land eine Einnahmequelle. Hinzu kommen Kosten allein für den Nationalpark Teutoburger Wald laut Berger-Gutachten in Höhe von acht Millionen Euro im ersten Jahr und sieben Millionen Euro in den weiteren Jahren. Damit würde ein Nationalpark eine teure Angelegenheit für das hochverschuldete Land – bei mehr als zweifelhaftem Nutzen. Das Land täte gut daran, die Pläne zu den Akten zu legen.
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