Bund der Steuerzahler NRW - Aussichtsplattform mit magnetischer Wirkung?

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27.05.2010

Aussichtsplattform mit magnetischer Wirkung?

Ein Skywalk soll im Kreis Höxter für mehr Touristen sorgen – doch an diesen Erfolg gibt es erhebliche Zweifel.

Seltene Orchideen-Buchenwälder, bizarre Felsformationen und eine riesige Artenvielfalt. All das bietet die Landschaft im Kreis Höxter. Leider zieht das allein aber wenig Touristen an. Ein sogenannter Skywalk soll das ändern, und Besucher in Scharen anlocken. Doch im Gegensatz zu seinem Namenswetter aus den USA handelt es sich bei dem Bauvorhaben im Kreis Höxter mehr oder weniger nur um eine Aussichtsplattform, die wohl kaum wie der Skywalk im Grand Canyon zu Besucherströmen führen wird.

Kreis Höxter. Seit März 2007 hat sich die Besucherzahl am West Rim des Grand Canyon schlagartig verzehnfacht. Kamen früher rund 200 Menschen täglich, sind es jetzt rund 2.000 pro Tag. Ursache dafür ist der Skywalk. Eine hufeisenförmige Aussichtsplattform mit Glasboden, die 20 Meter weit über den Canyon Rand hinausragt und dem Besucher nicht nur einen atemberaubenden Blick hinunter auf den Colorado River bietet, sondern auch das Gefühl über dem Canyon zu schweben.


Die Besucher des Skywalks im Grand Canyon scheinen über dem Abgrund zu schweben und können tief hinunter schauen. (Foto: Fotolia)
Einen Namensvetter des Skywalks soll es künftig auch im Kreis Höxter geben. Und auch er soll eine spürbare Magnetwirkung erzeugen und für einen „messbaren Zuwachs an Touristen sorgen“, die dann endlich auf die seltenen Orchideen-Buchenwälder, bizarren Felsformationen und die zahlreichen Tierarten, von Hirschkäfer über Kammmolch bis zur Wildkatze aufmerksam gemacht werden, wie Kreisdirektor Dr. Ulrich Conradi schreibt. Ansonsten orientiere sich die Aussichtsplattform aber keineswegs an dem Namensvetter in den USA, betont Conradi.

Der konkrete Plan
Konkret geplant ist, für 515.000 Euro eine fünf mal vier Meter große Aussichtsplattform mit einem schmalen Seitenarm, der über den dritten Feld der Hannoverschen Klippen hinausragt, zu installieren. Leider ist diese Größe allerdings nicht ausreichend, um einen freien Blick in die Tiefe zu erhalten. Zudem soll der Boden des Skywalks nicht aus durchsichtigem Glas sein, sondern aus einem Gitterrost. Ein weiterer Grund, warum der Blick in die Tiefe höchstens Menschen mit starker Höhenangst „den Atem rauben“ wird. Dass der Skywalk dennoch als „interessantes und durchdachtes Bauwerk, das den Charakter eines Alleinstellungsmerkmals hat“, wahrgenommen wird und sich zum Besuchermagneten entwickelt, darf daher stark bezweifelt werden.

Was bleibt ist die Aussicht auf die Landschaft. Die können Wanderer allerdings auch jetzt schon von einem Aussichtspunkt auf dem letzten und untersten Felsblock genießen. Kreisdirektor Conradi wendet aber ein, dass dieser Aussichtspunkt nur über einen anspruchsvollen Weg zu erreichen ist und weist in diesem Zusammenhang auf den geplanten barrierearmen Weg hin, der zum Skywalk führen soll. Der ist bei den Bürgern des Kreises allerdings auch sehr umstritten. Denn dieser Weg wird zu einem nicht geringen Teil auch vom Schwerlastverkehr des nahegelegenen Steinbruchs genutzt. Er sei somit zwar barrierefrei, aber alles andere als ansprechend. Noch ein Grund weniger also, den Skywalk zu besuchen, und noch ein Grund mehr, warum sich die Besucherzahl an den Hannoverschen Klippen wohl kaum verzehnfachen wird.
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