Bund der Steuerzahler NRW - Fiskus schaut in die Röhre


23.03.2015

Fiskus schaut in die Röhre

Dichtheitsprüfung ist steuerbegünstigt.


(Foto: Zauberhut/fotolia)
Wer seine Abwasserleitungen auf Dichtheit überprüfen lässt, kann die Kosten als steuerbegünstigte Handwerkerleistung in seiner Steuererklärung angeben. Dies entschied der Bundesfinanzhof (Urteil vom 6. November 2014, Az. VI R 1/13).

München. Die „Funktionsfähigkeit einer Anlage“ von einem Handwerker überprüfen zu lassen und damit den unter Umständen noch mangelfreien Istzustand dieser Anlage festzustellen, kann nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) ebenso eine steuerbegünstigte Handwerkerleistung i.S. des § 35a Abs. 3 Einkommensteuergesetz (EStG) sein wie die Beseitigung eines Schadens oder eine vorbeugende Maßnahmen zur Schadensabwehr.

Im entschiedenen Fall beantragte der Kläger in der Einkommensteuererklärung 2010 für eine Dichtheitsprüfung der Abwasserleitung seines privat genutzten Wohnhauses vergeblich eine Steuerermäßigung nach § 35a Abs. 3 EStG für die Inanspruchnahme von Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen. Das Finanzamt war der Auffassung, dass die Dichtheitsprüfung mit einer Gutachtertätigkeit vergleichbar sei – wie die vom TÜV oder anderen autorisierten Fachkräften durchzuführende Sicherheitsprüfung einer Heizungsanlage im Gegensatz zu ihrer Wartung. Nach Randnummer 22 des Schreibens des Bundesministeriums der Finanzen vom 10. Januar 2014 seien Aufwendungen, bei denen eine Gutachtertätigkeit im Vordergrund stehe, nicht nach § 35a EStG begünstigt. Das Finanzgericht entschied aber in der ersten Instanz zu Gunsten des Steuerzahlers.

Dies hat der BFH nun bestätigt. Das Finanzgericht habe die Dichtheitsprüfung der Abwasserleitungen des privat genutzten Wohnhauses zu Recht als steuerbegünstigte Handwerkerleistungen beurteilt. Denn die Dichtheitsprüfung der Abwasserleitung habe der Überprüfung der Funktionsfähigkeit einer Hausanlage gedient und sei damit als (vorbeugende) Erhaltungsmaßnahme zu beurteilen. Die regelmäßige Überprüfung von Geräten und Anlagen auf ihre Funktionsfähigkeit erhöhe deren Lebensdauer, sichere deren nachhaltige Nutzbarkeit, diene überdies der vorbeugenden Schadensabwehr und zähle damit zum Wesen der Instandhaltung. Dies gelte auch dann, wenn hierüber eine Bescheinigung „für amtliche Zwecke“ erstellt werde. Denn durch das Ausstellen einer solchen Bescheinigung werde eine handwerkliche Leistung weder zu einer gutachterlichen Tätigkeit noch verliere sie ihren Instandhaltungscharakter.

Die BdSt-Broschüre „Hilfen und Handwerker in Haus und Garten“ gibt Informationen über die steuerliche Behandlung von haushaltsnahen Dienstleistungen. Sie können sie kostenlos bestellen, entweder per Telefon 0211/99 175-42 oder per E-Mail: steuern@steuerzahler-nrw.de
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