Bund der Steuerzahler NRW - Finnentrop: Kein Anschluss an diese Brücke

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20.05.2010

Finnentrop: Kein Anschluss an diese Brücke

Sie sollte den Verkehr entschärfen, statt dessen ragt eine Brücke noch vier Jahre lang ins Leere.

Seit Jahrezehnten leidet die Gemeinde Finnentrop im Kreis Olpe unter einem Bahnübergang. Ebenso lange wurde nach einer Lösung gesucht, Pläne geschmiedet und wieder verworfen. Nun gab es einen Lichtblick: Es wurde tatsächlich eine Brücke gebaut, die den Verkehr umleiten sollte. Sie ist inzwischen auch fertig. An dem Problem Bahnübergang hat sich aber nichts geändert. Denn eine Oberleitung der Bahn verhindert den Anschluss der Brücke an die Umgehungsstraße.

Finnentrop. Jeden Tag gibt es in der Gemeinde Finnentrop mehrere lange Staus. Ursache dafür ist ein beschrankter Bahnübergang - ein Hinderniss, das man seit 31 Jahren zu beseitigen versucht. Bisher ohne Erfolg. Aber mit der unvollendeten Brücke haben Bund, Land und Bahn, die gemeinsam an einer Lösung des Problems arbeiten, dem Ganzen die Krone aufgesetzt. Doch von vorne:

Im Dezember 1979 stellte das Landesstraßenbauamt erstmals verschiedene Varianten zur Bahnübergangsbeseitigung vor. Zuerst gab es Proteste von einer Bürgerinitiative, dann wurden die Planungen eingestellt. Nachdem ein neues Gesetz zur Prüfung der Umweltverträglichkeit (UVP) eingeführt worden war, musste wieder neu geprüft und geplant werden. Anfang 1990 brachte die Gemeinde schließlich selbst eine neue Variante ins Spiel: Mit einer neuen Brücke über die Lenne und einer weiteren Brücke über die Gleise sollte der Bahnübergang nutzlos werden. Im Mai 2004 wurde das Planfeststellungsverfahren rechtskräftig. Anschließend brauchten die Finanzierungsbeteiligten Bund, Land und Deutsche Bahn weitere vier Jahre, um eine neue Eisenbahnkreuzungsvereinbarung zu treffen.


Aus dieser Ankündigung wird wieder nichts: Nicht 2010, sondern erst 2014 wird die Bahnübergang-Beseitigung beendet sein. (Foto: BdSt NRW)
Im März 2008 war es endlich soweit: Feierlich wurde der erste Spatenstich für die neue Lennebrücke gesetzt. Ende 2010 sollte der Bahnübergang beseitigt werden. Doch die Finnentroper haben zu früh gefeiert: Die neue Lennebrücke ragt sinnlos ins Leere, weil die Oberleitungen der Bahn den Weiterbau behindern. Um die Oberleitungen zu verlegen, muss der Bahnhof sechs Wochen gesperrt werden. Das war für die Sommerferien 2010 geplant. Doch die Bahn vergaß, diesen Plan rechtzeitig mit ihren Verkehrsunternhemen abzustimmen. Und weil es nun im Sommer 2010 ohnehin schon viele andere Baustellen und zu wenig Umleitungsmöglichkeiten gibt, würde der bereits national und international abgestimmte Eisenbahnverkehr nicht mehr funktionieren, wenn auch noch in Finnentrop eine Oberleitung verlegt wird. Auch für den Sommer 2011 kommt das Projekt nicht mehr in Frage. Erst 2010 kann das internationale Bahnnetz die Baustelle in Finnentrop verkraften.

Das wiederum hatte die Straßenbaubehörde nicht mitbekommen und daher schon mal mit dem Bau der neuen Lennebrücke begonnen. Jetzt ist die eigentliche Brücke fertig - abgesehen von dem nicht unwichtigen Anschluss an eine Straße. Der kann aber erst nach der Verlegung der Oberleitung gebaut werden, und mit der ist vor Ende 2012 nicht zu rechnen. Bis Brücke mitsamt Anschluss vollendet ist, werden daher nach den derzeitigen Planungen noch vier Jahre vergehen.

Geld für die Unterhaltung der 2,65 Millionen Euro teuren Brücke muss aber jetzt schon jährlich fließen. Eine fünfstellige Summe ist eingeplant. Und in fünf Jahren, wenn der Verkehr gerade mal ein Jahr über die Brücke rollt, ist dann schon die erste Hauptuntersuchung des Bauwerks fällig. Hinzu kommt, dass auch die Kosten für das Gesamtprojekt aus dem Ruder laufen: Die Gleisarbeiten werden teurer als erwartet. Statt 17,4 Millionen Euro wird die Stilllegung des Bahnübergangs voraussichtlich 23,6 Millionen Euro kosten.

Dies Entwicklung hat aber zumindest ein Gutes: Sie liefert reichlich Gesprächsstoff, so dass den Finnentropern im Stau vor dem Bahnübergang zumindest nicht mehr langweilig werden dürfte.
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