Bund der Steuerzahler NRW - Denkmalschutz hat seinen Preis

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30.01.2017

Denkmalschutz hat seinen Preis

Schauspielhaus und Schwanenhaus – gleich zwei Sanierungsfälle in Düsseldorf werden teurer als geplant.


(Foto: BdSt NRW)
Was darf Kultur kosten? Sind rund elf Millionen Euro für die Sanierung eines Schauspielhauses in Ordnung, knapp 21 Millionen Euro aber nicht mehr? In Düsseldorf gehen die Wogen hoch, denn diese Kostensteigerung wurde Ende vergangenen Jahres in Öffentlichkeit und Politik heftig diskutiert.

Düsseldorf. Das Schauspielhaus in Düsseldorf ist in die Jahre gekommen. Erbaut zwischen 1965 und 1970, gilt der geschwungene Bau mit seinen charakteristischen Fassadentafeln als ein architektonisches Wahrzeichen der Stadt und ist ernsthaft weder aus dem Stadtbild noch aus dem Kulturleben wegzudenken. Seit fast 20 Jahren steht das Schauspielhaus unter Denkmalschutz. Da kam es einem Tabubruch gleich, als der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel angesichts steigender Sanierungskosten die Frage aufwarf, ob Abriss und Neubau des Schauspielhauses oder Verkauf an einen Investor, der das Gebäude dann z.B. als Kongresszentrum nutzen könne, nicht billigere Alternativen seien.

Angestoßen wurden diese Überlegungen, als im Herbst 2016 publik wurde, dass die geplanten 11,2 Millionen Euro für die laufenden Sanierungsarbeiten nicht ausreichen würden. 20,9 Millionen Euro würden nötig sein, so die Berechnungen, um die Gebäudetechnik auf den neuesten Stand zu bringen. Wärmeversorgung, Wasser- und Abwasseranlagen, Raumlufttechnik, elektronische und sicherheitstechnische Anlagen, Brandschutz – diese Bereiche umfasst die Sanierung.

Alles neu machte der Mai

Im Mai 2016 stellte die damalige Geschäftsführung des Schauspielhauses Planungs- und Projektsteuerungsfehler fest, kündigte dem Projektsteuerer fristlos, stellte einen neuen Projektsteuerer ein und beauftragte ein Architekturbüro mit einer Bestandsaufnahme. Als die neue Geschäftsführung ab August 2016 die Leitung des Schauspielhauses übernahm, wurden die neu berechneten Kosten auf 20,9 Millionen Euro beziffert. Das Land NRW und die Stadt Düsseldorf müssen die Kosten jeweils zur Hälfte tragen.

8,4 Millionen Euro der ermittelten Mehrkosten von 9,7 Millionen Euro sind „Sowieso-Kosten“ – Kosten, die bei korrekter Planung sowieso angefallen wären. Besonders hohe Abweichungen von der ursprünglichen Kalkulation gab es, weil notwendige Durchbrüche von der Fachfirma nicht eingeplant worden waren, weil die Lüftungsplanung zur Zeit der Projektvorbereitung noch nicht genehmigt und deshalb ungenau war, weil wesentliche Teile des Gewerkes Elektro und IT bei der Vorbereitung nicht berücksichtigt worden waren und später klar wurde, dass Teile der Elektroanlage wegen TÜV-Anforderungen vollständig erneuert werden mussten. Zudem stiegen die Nebenkosten und versursachte der Wechsel des Projektsteuerers Kosten.

Eine Alternative dazu, die Sanierung auch zu den erhöhten Kosten fortzuführen, sieht die Stadt nicht, weil das Gebäude sonst nicht mehr nutzbar wäre. Die Sanierungskosten für die Gebäudetechnik sind jedoch noch nicht alles. Ein Gutachten hat gezeigt, dass Dach und Fassade sanierungsbedürftig sind. Auf seiner Sitzung im November 2016 beschloss der Rat, 750.000 Euro bereitzustellen, um diese Sanierung zu planen. Sie soll zügig erfolgen, damit das Haus für diese Arbeiten nicht zu einem späteren Zeitpunkt erneut geschlossen werden muss. Die Kosten für die Dach-und Fassadensanierung, die auf 15 Millionen Euro geschätzt werden, trägt die Stadt Düsseldorf alleine.

Schwanenhaus im Hofgarten

Eine Kostensteigerung, wenn auch in anderen Dimensionen, muss die Stadt Düsseldorf auch bei der Sanierung des Schwanenhauses im Hofgarten stemmen. Um das 1937 errichtete Gebäude, das als Futterküche für die Gänse und Schwäne im Hofgarten dient, zu erhalten, reichen die geplanten 160.000 Euro nicht aus. 230.000 Euro muss die Stadt hierfür zahlen, weil die Arbeiten an den denkmalgeschützten Gebäude anders ausgeführt werden müssen als ursprünglich vorgesehen. Das Schwanenhaus einfach abzureißen, kommt für die Stadt nicht in Frage, gehört das Gebäude doch als zeittypisches Zeugnis zum Hofgarten, der als Gartendenkmal gilt.

Zwei Beispiele, die deutlich machen: Denkmalschutz hat seinen Preis. Wenn dann noch Planungsfehler die Kosten in die Höhe steigen lassen, kommen Sanierungsprojekte wie in Düsseldorf die Steuerzahler richtig teuer zu stehen.
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