Bund der Steuerzahler NRW - Wirtschaftlicher Flop für deutsche und niederländische Steuerzahler


17.09.2012

Wirtschaftlicher Flop für deutsche und niederländische Steuerzahler

Die Kosten für das fast leere internationale Gewerbegebiet Avantis behalten die Verantwortlichen lieber für sich.


(Foto: Michael Jaspers/AZ)
Vor mehr als zehn Jahren wurde an der deutsch-niederländischen Grenze bei den Städten Aachen und Heerlen ein Gewerbegebiet mit einer Größe von 100 Hektar gebaut. Doch der Erfolg blieb aus. Bis heute herrscht dort gähnende Leere. Erst jetzt fangen die Betreiber an umzusteuern. Wie viele Millionen Euro Steuergeld dort inzwischen versickert sind, behalten die Verantwortlichen allerdings lieber für sich.

Düsseldorf. Die niederländische Stadt Heerlen, die Stadt Aachen, das Land NRW und die limburgische Entwicklungsbank Liof gaben im Jahr 2002 den Startschuss für das grenzüberschreitende Gewerbegebiet Avantis, das hochschulnahe High-Tech-Unternehmen anziehen sollte. Doch so gut wie niemand kam. Von 70 Hektar vermarktbarer Fläche konnten bis 2012 gerade einmal 6,3 Prozent verkauft werden. Ganze 20 Unternehmen haben sich dort angesiedelt. Mehrere tausend Arbeitsplätze sollten entstehen; zuletzt waren es gerade mal 270, so das Land NRW. Ein wirtschaftlicher Flop, wie er für die niederländischen und deutschen Steuerzahler wohl nicht schlimmer sein könnte.

Nach Darstellung der lokalen Presse war Avantis vor seiner Eröffnung wahrscheinlich das umstrittenste Gewerbegebiet Europas. „Es war ein kleines Stuttgart 21, dessen Verwirklichung nach erbitterten Argumentationsschlachten weit mehr als 50 Millionen Euro Steuergeld gekostet hat“, so las man. Jahrelang habe es Rechtsstreitigkeiten über die tatsächliche Existenz von Feldhamstern auf Avantis gegeben, was viel Geld kostete, die Eröffnung von Avantis verzögerte und seinem Ruf schadete. Ein Nachweis für den Bedarf an so einem riesigen Gewerbegebiet konnte wohl auch nicht erbracht werden.

Auf Fragen zu Kosten gibt es keine Antwort
Der Bund der Steuerzahler NRW fragte auf deutscher Seite nach, was der Geschäftsbetrieb von Avantis bislang durchschnittlich jährlich gekostet hat, wie teuer Entwicklung und Erschließung waren und was Avantis bislang die Steuerzahler insgesamt gekostet hat. Doch das Land NRW und die Stadt Aachen geben auf diese Fragen keine Antwort.

Ebenso unisono wie Antworten zu Fragen nach Kosten verweigert werden, erklären Land NRW und die Stadt Aachen das Scheitern von Avantis. Nachteilig sei gewesen, dass die Vermarktung des Gewerbegebietes sich lange Zeit auf hochwertiges, innovatives und international ausgerichtetes Gewerbe konzentriert habe und der Bebauungsplan zu hohe gestalterische Anforderungen an die Unternehmen gemacht hätte. Zudem würde die verkehrliche Erschließung ausschließlich über die Autobahn stattfinden und es fehle eine ÖPNV-Anbindung. Viel zu spät, erst im Jahr 2011, fingen die Gesellschafter an, mit einer geänderten Strategie Avantis neu auszurichten. Das grenzüberschreitende Gewerbegebiet soll nun aktiver, flexibler und unbürokratischer werden. Konkret heißt das, dass die gestalterischen Anforderungen an die Bebauung reduziert werden, der Vermarktungsschwerpunkt Hochtechnologie zu Gunsten weiterer Branchen geöffnet und die Erreichbarkeit von Avantis durch den ÖPNV verbessert werden soll. Nach einem Jahr sollen die eingeleiteten Maßnahmen überprüft und gegebenenfalls neu angepasst werden.

Doch zunächst musste mit Steuergeld die Avantis- Betreibergesellschaft gerettet werden, die mit knapp 24 Millionen Euro Schulden vor der Pleite stand. 6,5 Millionen Euro hat jeder der vier Gesellschafter gezahlt, um die Betreibergesellschaft bei der Gläubigerbank freizukaufen und um die laufende Geschäftstätigkeit der Gesellschaft für das Jahr 2012 zu finanzieren. Schon im Jahr 2009 soll der Betreibergesellschaft das Geld ausgegangen sein. Damals hätten die Gesellschafter 5,4 der 100 Hektar gekauft. Obwohl sie die gesamten 100 Hektar bereits vor Beginn der Erschließung in den 90er Jahren von Landwirten für 15 Millionen Mark gekauft und der Betreibergesellschaft übertragen hatten. Die Gesellschafter sollen also die 5,4 Hektar ein zweites Mal gekauft und fünf Millionen Euro an die Betreibergesellschaft gezahlt haben, um deren Überleben zu sichern, zum zwölffachen Quadratmeterpreis, den sie ursprünglich bezahlt hatten.

Nun gibt es einen Hoffnungsschimmer für Avantis. Zalando, der Online-Versandhandel für Schuhe und Mode, habe den Standort Avantis für eine Ansiedlung ins Auge gefasst, heißt es. Bisher war die Ansiedlung solcher Logistikzentren dort verpönt, doch mit dem neuen Ansiedlungskonzept soll dies nun möglich sein. Doch selbst wenn Zalando tatsächlich nach Avantis kommt, wird es die riesige Fläche nicht füllen. Und so wird Avantis wohl noch lange ein Mahnmal für grenzüberschreitende Misswirtschaft bleiben und ein Dorn im Auge der Steuerzahler, die für das einstige Vorzeigeprojekt zwar zahlen dürfen, aber nicht wissen sollen, was es wirklich gekostet hat.
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