Bund der Steuerzahler NRW - Wilnsdorfs Brücke schlägt Kapriolen

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07.01.2011

Wilnsdorfs Brücke schlägt Kapriolen

Die engstirnige Rechnung der Gemeinde geht nicht auf, Verschwendung droht.


(Foto: BdSt NRW)
Es klingt absurd, aber für die Gemeinde Wilnsdorf ist es tatsächlich billiger, eine sanierungsbedürftige Brücke abzureißen und neu zu bauen, als es bei dem Abriss zu belassen. Denn: Im Falle eines Neubaus beteiligt sich das Land erheblich an den Kosten. Trotzdem sollte die Stadt dringend auf den Neubau verzichten. Die Brücke ist nämlich nicht erforderlich, und das sollte das Kriterium sein. Ansonsten werden verschwenden Stadt und Land aufgrund einer Milchmädchenrechnung viel Geld, das in jedem Fall vom Steuerzahler stammt.

Wilnsdorf. Durch den Neubau einer Brücke kann die Gemeinde Wilnsdorf rund 50.000 Euro im aktuellen Haushalt sparen. Das klingt prima. Doch wenn die Stadt auf diese Einsparung beharrt, dann werden zugleich rund 700.000 Euro Steuergelder verschwendet. Klingt unverständlich? Das ist es auch. Doch der Reihe nach:

In Wilnsdorf führt an der Gartenstraße eine Brücke über Bahngleise. Diese Brücke ist alt und schwer beschädigt. Eine Sanierung lohnt nicht mehr. Wenn überhaut kommt nur ein Abriss und eine neue Brücke in Frage. Aber: Nur dreihundert Meter weiter gibt es bereits die nächste Brücke. Wer sie mit dem Auto nutzt, ist keine fünf Minuten länger unterwegs als über die andere Brücke an der Gartenstraße. Die Notwendigkeit einer neuen Brücke an der Gartenstraße ist also mehr als fragwürdig.

Dennoch beharrt die Gemeinde Wilnsdorf auf den Neubau, und wenn man nur die Stadtkasse im Blick hat, ist das zunächst sogar verständlich. Denn: Wenn die Brücke nur abgerissen wird, kostet das die Stadt rund 805.700 Euro. Wird aber nach dem Abriss eine neue Brücke gebaut, muss die Stadt insgesamt nur 757.600 Euro zahlen. Den Rest der knapp 1,5 Millionen Euro für Abriss und Neubau würde das Land übernehmen.

Wenn die Wilnsdorfer Kommunalpolitiker aber verantwortungsvoll auch mal über den Rand ihrer eigenen Kasse hinaussehen würden, dann wäre auch ihnen klar: Es ist völlig absurd, für eine Einsparung von 50.000 Euro in der einen Kasse rund 700.000 Euro aus einer anderen Kasse für etwas Unnötiges auszugeben. Vor allem, wenn beide Kassen von ein und denselben Geldgeber gefüllt werden: dem Steuerzahler. Und der hat weder für die Kommune noch für das Land Verständnis, wenn sie sein Geld für unnötige Brücken ausgeben.

Würden die Verantwortlichen zudem ein paar Jahre weiter denken, würde ihnen zudem aufgehen, dass dies eine Milchmädchenrechnung ist. Für die Wartung der Brücke werden nämlich rund 5.900 Euro pro Jahr einkalkuliert, die von der Gemeinde übernommen werden müssen. In nicht mal neun Jahren wäre die vermeintliche Einsparung also aufgebraucht. Spätestens dann zahlt auch die Gemeinde für die neue Brücke drauf und dann dürfte auch ihr unverständlich sein, warum sie auf den Neubau bestanden hat.
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