Bund der Steuerzahler NRW - Wehrhahnlinie wird nochmal teurer


08.10.2013

Wehrhahnlinie wird nochmal teurer

Zur Gegenwehr ist es zu spät und dabei ist ein Ende der Kostenexplosion immer noch nicht in Sicht.


(Foto: BdSt NRW)
Der Bau der Wehrhahnlinie macht Fortschritte. Eine Meldung, die alle Düsseldorfer und diejenigen, die in der Landeshauptstadt arbeiten, sehr freuen dürfte. Sehr ärgerlich hingegen ist diese Nachricht: Der Bau wird nach neuesten Erkenntnissen nochmal teurer als geplant. Insgesamt 829 Millionen Euro sollen es nun werden. Die genannten Gründe zeigen nur eins: Das Projekt wurde anfangs "schöngerechnet", damit Bürger und Politik zustimmen.

Düsseldorf. 650 Millionen Euro soviel sollte der Bau der sogenannten Wehrhahnlinie durch Düsseldorf mit zwei Haltepunkten und sechs U-Bahnhöfen kosten, als das Projekt beschlossen wurde. 2011 stiegen die Kosten auf 748 Millionen Euro – und die Wehrhahnlinie kam ins Schwarzbuch des BdSt. Ende 2012 kletterten die Baukosten auf 782 Millionen Euro. Nun müssen weitere 47 Millionen Euro draufgezahlt werden. Und da der Bau andauert, könnte es noch mehr werden.

Bei den Gründen für die Kostensteigerungen bleibt die Stadt schwammig. Als Hauptgrund nennt sie die Preisgleitung in den Verträgen. Das hat zur Folge, dass die Firmen gestiegene Personal- und Materialkosten dem Bauherrn in Rechnung stellen können. Eine durchaus gängige Vertragsklausel. Und genau daher sollte die Stadt auch wissen, dass es bei einer mehrjährigen Baustelle aufgrund dieser Klausel in aller Regel zu einer Preissteigerung kommt. Diese hätte also von vornherein als Summe X mit in die Baukosten eingerechnet werden müssen.

Weitere Gründe für die Kostensteigerung: Beseitigung von Hindernissen im Baugrund, überraschende Funde von Rohren und Leitungen. Auch dies sollte für eine Stadt, die bereits über eine U-Bahn verfügt, keine überraschende Entwicklung sein. Auch dass solche Kosten entstehen könnten hätte also einkalkuliert werden müssen.

Weiter waren zusätzliche Sicherungsmaßnahmen und Umplanungen erforderlich, weil man auf einen jüdischen Friedhof aus dem 17. Jahrhundert stieß. Da nach jüdischem Glauben die dort aufgefundenen Gebeine nicht umgebettet werden dürfen, musste der Friedhof bestmöglich geschont werden. Kosten für die Umplanungen: knapp 15 Millionen Euro. Das ärgerliche: Der Friedhof soll auf historischen Plänen durchaus eingezeichnet gewesen sein. Auch das hätte also einkalkuliert werden können.

Bleibt die Frage: Wird die Wehrhahnlinie am Ende sogar noch viel teurer? Auf die Berechnungen der Stadt ist jedenfalls kein Verlass: Schon Mitte 2011 waren für die damalige Hochrechnung der zu erwartenden Kosten von 748 Millionen Euro nicht nur die reinen Baukosten, sondern „alle mit dem Projekt verbundenen Kosten bis zum Bauzeitende“ ermittelt worden. Im November 2012 wurde die Kostenprognose von 782 Millionen Euro „auf Basis aller derzeit vorliegenden Erkenntnisse“ erstellt. Und nun hat die Stadt nach eigener Darstellung erstmals auch das Nachtrags- und Abrechnungsrisiko bis zum Bauzeitende prognostiziert und dargestellt. Besonders dreist: Die Zuschüsse vom Land NRW waren vor Beginn der Baumaßnahme auf rund 384 Millionen Euro gedeckelt worden. Nun will die Stadt auch für die Mehrkosten einen Zuschuss und verhandelt darüber mit Land und Bund.
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