Bund der Steuerzahler NRW - Vom kurzen Leben der Niepkuhlen-Brücke

Verschwendung > Archiv
10.01.2012

Vom kurzen Leben der Niepkuhlen-Brücke

Nach nur 14 Jahren ist das Holz des Bauwerks in Krefeld komplett marode.


(Foto: BdSt NRW)
Schlechtes Holz, falsche Pflege und versäumte Kontrollen: In einem Krefelder Naturschutzgebiet ist eine 1997 gebaute Brücke abrissreif. Die Stadt trifft eine erhebliche Mitschuld: Nach Meinung von Experten war sie nicht pfleglich genug mit der Brücke umgegangen und hatte nicht rechtzeitig eingegriffen, um die Schäden noch in den Griff zu bekommen. Nun kommen Kosten auf die Stadt zu, die vermeidbar gewesen wären.

Krefeld. Pluspunkt für die Stadt Krefeld: In einer öffentlichen Vorlage für den Bauausschuss zeigt sie den Willen zur Aufklärung im Brückendesaster. So zeichnet sie detailliert das kurze Leben der Brücke nach, erläutert, welche Pflegeempfehlungen die Stadt erhalten hatte, gibt Einblick in die Pflege- und Wartungsrhythmen der Brücke und legt schonungslos offen,was Gutachter letztlich als Gründe für den frühen Verfall der Brücke ermittelt hatten.

1997 wurde die 90 Meter lange Geh- und Radwegbrücke über die Niepkuhlen, einen Altarm des Rheins, errichtet. Die alte Brücke hatte bis 1995 immerhin 54 Jahre lang ihre Dienste getan. 600.000 Mark hatte die neue Brücke gekostet und war zu 80 Prozent vom Landschaftsverband Rheinland gefördert worden. Vor dem Bau der Brücke hatte es im Krefelder Rat Diskussionen darüber gegeben, ob Bongossiholz aus den Tropen oder Eichenholz aus heimischen Wäldern zum Einsatz kommen sollte. Die Wahl fiel schließlich auf Eichenholz für Geländer und Brückenbelag und Lärchenholz für die Längsträger der Brücke, obwohl die Baufirma bereits Pläne für eine Brücke mit Bongossiholz erstellt hatte. Das Bongossiholz wurde kurzerhand durch Eichen- und Lärchenholz ersetzt, ohne die Pläne auf die geänderte Holzart abzustimmen.

Im April 1999 hätten Ratsherren erstmals auf Risse an der Brücke und Verkantungen hingewiesen. Während der Gewährleistungszeit war die ausführende Firma einmal jährlich vor Ort gewesen und hatte sichtbare Schäden behoben. Bei der Endabnahme im Jahr 2000 wurden keine Mängel festgestellt. Doch schon 2003 beklagte der Arbeitskreis Radwegebau den maroden Zustand der Brücke. 2010 nahmen die Schäden ein solches Ausmaß an, dass sie nicht zu beheben waren. Ein Gutachter stellte im Sommer 2010 fest, dass die Unterseite der Brücke flächendeckend mit einem Pilz befallen war und stufte den Belag und das Geländer als nichtsanierungsfähig ein. Auch ein neueres Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass die Brücke nicht mehr zu retten sei. Am 14. Juli 2011 wurde sie gesperrt.

Mehrere Hauptprüfungen wurden nicht durchgeführt
Nach Meinung der Experten ist vermutlich Eichenholz schlechter Qualität verbaut worden. Weiter gebe es Konstruktionsdetails, die nach heutigem Kenntnisstand zu schadensanfällig sind. Die Brücke sei 1997 nach dem Stand der Technik gebaut worden. Seitdem hätten sich jedoch die Normen und Vorgaben erheblich verändert. Auch die Übernahme von Konstruktionsdetails einer Bongossiholzbrücke ohne Änderung für das Eichenholz habe sich negativ ausgewirkt. Zudem gab die Baufirma wohl falsche Ratschläge zur Imprägnierung.

Doch die Gutachter sprechen auch Klartext, was die Versäumnisse der Stadt betrifft. Diese habe die Brücke gerade in den Anfangsjahren zu selten kontrolliert. Versäumt hatte der städtische Fachbereich Grünflächen bereits die erste Hauptprüfung im Jahr 1997. Ebenso die zweite Hauptprüfung im Jahr 2000. Im selben Jahr blieb auch ein erforderlicher Imprägnier- und Deckanstrich aus. Weitere Bauwerksprüfungen in den Jahren 2001 und 2002 wurden ebenfalls nicht vorgenommen, auch blieben weitere Pflegearbeiten aus, so z.B. der seit 2000 überfällige Imprägnier- und Deckanstrich. Aus den bereits frühzeitig erkennbaren Mängeln seien keine ausreichenden Konsequenzen gezogen und keine Gegenmaßnahmen ergriffen worden. Hinzu kamen die unzureichende Säuberung des Bauwerks und die Verwendung ungeeigneter Holzanstriche. Spätestens nach dem Auftreten der ersten gravierenden Mängel hätte die Brücke in eine andere Gefährdungsklasse eingestuft und hätten entsprechende Holzschutzmittel verwendet werden müsse.

Weshalb die Stadt bei der Brücke so untätig war und wer die Verantwortung dafür trägt,erfahren die Bürger leider nicht. Zusätzlich ärgerlich: Mehr als 100.000 Euro sind in den 14 Jahren für die schlampige Pflege ausgegeben worden. Hinzu kommen knapp 6.000 Euro für ein Gutachten. Nun muss darüber entschieden werden, ob eine neue Brücke über die Niepkuhlen gebaut werden soll. Von der Sperrung der Brücke sind verschiedene Radrouten betroffen. Unklar ist auch noch, ob ein Verzicht auf die Brücke dazu führt, dass Fördermittel an den Landschaftsverband Rheinland zurückgezahlt werden müssen.

Mehrere Varianten für einen Brückenneubau sind im Gespräch. Die geschätzten Kosten liegen zwischen 400.000 und 425.000 Euro. Auf die Stadt kommen also weitere Ausgaben zu, die nicht notwendig gewesen wären, hätte sie sich ihrem Eigentum stärker verpflichtet gefühlt.
Suche
Staatsverschuldung in NRW
0
Zuwachs / Sekunde
0
Schulden / Kopf
0