Bund der Steuerzahler NRW - Verschwendungsfälle quer zur Sieg


07.07.2010

Verschwendungsfälle quer zur Sieg

Die Stadt Hennef hat neue „Touristenattraktionen“ – ob drei von ihnen ihr Geld wert sind, darf jedoch bezweifelt werden.


(Foto: BdSt NRW)
Das Land und die Stadt Hennef möchten die Siegschleife für Touristen attraktiver machen und haben dazu mehrere Kulturprojekte in Angriff genommen. Unter anderem wurde für insgesamt 130.000 Euro ein Aussichtssteg zu einem verrosteten Mühlrad ohne Mühle gebaut, eine Schlossmauer freigelegt, dessen Schloss man jedoch nicht besichtigen darf, und ein Brunnenplatz erbaut sowie erschlossen, der jedoch kaum zu finden ist. Für den Bund der Steuerzahler NRW macht das drei Mal Steuergeldverschwendung quer zur Sieg.

Hennef. „Natur und Kultur quer zur Sieg“, so heißt das Regionale-Projekt, mit dem das Land und die Stadt Hennef die Siegschleife kulturell aufwerten und mehr Touristen in die Region locken möchte. Insgesamt zehn verschiedene Projekte sind geplant, einige bereits in die Tat umgesetzt – und leider verdienen gleich drei dieser Projekte den Titel „Steuergeldverschwendung quer zur Sieg“. Denn dass sie ihren Zweck erfüllen und mehr Touristen anziehen werden, ist mehr als zweifelhaft.


Vom Aussichtssteg hat man einen einwandfreien Blick - leider nur auf ein verrostetes, halbverdecktes Mühlrad ohne Mühle. (Foto: BdSt NRW)
Ein verrostetes Mühlrad ohne Mühle
Nummer eins der Projekte, die das Prädikat „grober Unfug“ verdient haben, findet sich im Ortsteil Allner: ein Aussichtssteg von dem man ein verrostetes Mühlrad, das halb in Laub und Erdreich vergraben ist, bewundern kann. Eine Mühle zum Mühlrad, die ebenfalls besichtigt werden und die Touristen anlocken könnte, gibt es nicht. Sie wurde schon 1973 abgerissen. An ihrem Standort verläuft heute die Landstraße L 352. Das Rad versank fast 30 Jahr im Morast. Jetzt wurde es zum Bodendenkmal erklärt, halb freigelegt und soll Touristen anlocken. Und damit die einen guten Blick auf das Rad ohne Mühle haben, wurde der Aussichtssteg aus verzinktem Stahl und Holz angelegt. Das Land zahlte für den Bau sowie für die Prüfstatik und die landschaftspflegerische und denkmalrechtliche Begleitung 27.800 Euro, weitere 7.200 Euro übernahm die Stadt. Macht 35.000 Euro für die Aussicht auf ein vergessenes, verrostetes, halbverdecktes Mühlrad.


Ob der Blick auf eine freigelegte Schlossmauer Touristen anlocken wird? Der BdSt hat große Zweifel. (Foto: BdSt NRW)
Eine freigelegte Schlossmauer ohne Blick auf ein Schloss
Nummer zwei der fragwürdigen Projekte findet sich gleich gegenüber des Mühlrades: die Mauer des Schlosses Allner. Für insgesamt 30.700 Euro (24.600 Euro zahlte das Land, 6.100 Euro die Stadt) wurde diese Mauer vom Wildwuchs befreit, damit man das Schlossensemble besser wahrnehmen kann. Klingt ganz vernünftig, hat aber mehrere Makel: Wer vor der meterhohen Mauer steht, kann das Schlossgebäude dahinter nicht einmal erahnen. Lediglich von der gegenüberliegenden Siegwiese aus sieht man ein paar Türme zwischen den Baumwipfeln herausragen – mehr nicht. Sich erst die Mauer und dann das Schloss aus der Nähe ansehen, geht auch nicht. Denn das Schloss Allner ist in Privatbesitz und ungebetene Gäste dürfen das Gelände nicht betreten. Mögliche Touristen können also nur die Mauer bewundern. Ob sie das ausreichend erfreuen wird? Freude dürfte dagegen bei der Schlossverwaltung aufkommen. Sie hat sich mit 1.000 Euro an der Mauerpflege beteiligt, den Rest hat der Steuerzahler übernommen – billiger geht es für die Eigentümer des Schlosses nicht.


Schwer zu finden und dann kommt man an das sagenumwobene Heilwasser nicht mal heran - der Brunnenplatz für 67.000 Euro. (Foto: BdSt NRW)
Ein kaum zu findender Platz mit vergittertem Brünnchen

Bei der dritten zweifelhaften Touristenattraktion handelt es sich um einen Brunnenplatz der zwischen den Orten Bödingen und Kningelthal angelegt wurde. Von 1923 bis 1963 gab es dort einen Brunnen, der den Ort mit Trinkwasser versorgte. Einer Sage nach soll das Wasser des „Marienbrünnchens“ Heilwirkung haben. Doch davon unbeeindruckt wurde nach dem Bau der Wahnbachtalsperre der Brunnenschacht mit einem Metalldeckel abgedichtet und auf der unzugänglichen Pferdewiese, auf der er liegt, vergessen. Nun wurde das Brünnchen erneuert, mit Bänken flaniert, durch Weidezäune geschützt und durch einen Fuß- und Reitweg erschlossen. Insgesamt 67.000 Euro nahmen Stadt und Land dafür in die Hand (53.600 Euro vom Land, 13.400 Euro von der Stadt). Der Haken an diesem Projekt: Trotz neuem Weg ist der Brunnenplatz für Ortsunkundige nur schwer zu finden. Wer es dennoch bis zum Platz schafft, wird sich hingegen fragen, wofür er den Weg angetreten hat. Denn er kann sich nun auf eine der Bänke setzen und auf ein kleines Brünnchen schauen, dessen Öffnung vergittert ist. Ob das Touristen anlockt?

Wohl kaum, meint der Bund der Steuerzahler bei allen drei Projekten. Sein Fazit: Insgesamt wurden 130.000 Euro Steuergelder quer zur Sieg verschwendet.
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