Bund der Steuerzahler NRW - U wie unberechenbar


30.04.2012

U wie unberechenbar

Beim Dortmunder U-Turm steigen nun auch die Betriebskosten.


(Foto: BdSt NRW)
Der U-Turm in Dortmund ist für die Steuerzahler ein unberechenbares finanzielles Abenteuer geworden. Schon beim Umbau des Industriegebäudes in ein Kunst- und Kreativzentrum stiegen die Kosten um fast 30 Millionen Euro auf bislang 83 Millionen Euro. Weitere Kosten kommen nun auf die Stadt durch die Betriebskosten zu. Mehr als zehn Millionen Euro gilt es nun jährlich zu finanzieren. Um die Mehrkosten zu finanzieren, müssen andere Bereiche der Dortmunder Kultur sparen.

DortmundDer Dortmunder U-Turm wird für die Steuerzahler immer teurer. Bereits 2011 hatte der Bund der Steuerzahler die immense Steigerung der Baukosten für die Umwandlung des Industriegebäudes in ein Kunst- und Kreativzentrum von geplanten 54 Millionen Euro auf bislang 83 Millionen Euro im Schwarzbuch angeprangert. Nun steigen auch noch die Betriebskosten auf mehr als zehn Millionen Euro jährlich. Nachträgliche Änderungen in der Konzeption und Entwicklungen, mit denen die Stadt nicht gerechnet hatte, sind unter anderem die Gründe dafür.

Lag die allererste Betriebskostenschätzung in 2008 noch bei 3,2 Millionen Euro, waren für 2010 schon 4,9 Millionen Euro kalkuliert. Nach den ersten Erfahrungen mit dem Betrieb des U-Turms wurden im Wirtschaftsplan 2011 daraus 6,1 Millionen Euro und im Wirtschaftsplan 2012 schon 9,6 Millionen Euro. Für die Jahre 2013 bis 2015 muss die Stadt sogar knapp 10,2 Millionen Euro einplanen.

Wie konnte es passieren, dass die Betriebskosten regelrecht explodiert sind? Der Kämmerer der Stadt Dortmund, Jörg Stüdemann, erklärt dazu, dass der Bau des U-Turms aus dem städtischen Sondervermögen finanziert wurde. Eigentlich war geplant, dass die Stadt den U-Turm nach Fertigstellung kauft. 50 Millionen Euro waren dafür zurückgelegt worden.

Doch dann kam 2009 die Finanz- und Wirtschaftskrise, und der Topf mit dem Geld für den Kauf des U-Turms musste aufgelöst werden. Nun muss die Stadt dem städtischen Sondervermögen Miete zahlen. In der Kalkulation von 2008 war das noch nicht vorgesehen, schlägt aber nun bei den jährlichen Betriebskosten gehörig zu Buche. Allein für das Jahr 2012 kommen so 3,8 Millionen Euro für Miete und Instandhaltungen zu den „reinen“ Betriebskosten hinzu.

2008 war auch nicht geplant gewesen, dass das Dortmunder U einmal ein Zentrum für Kunst und Kreativität werden würde und alle Etagen des U-Turms in einem endgültigen Ausbauzustand in Betrieb gehen würden. Ursprünglich sollte der U-Turm ein reiner Museumsstandort werden. In 2008 entschied sich der Rat für ein erweitertes Nutzungskonzept. Drei Etagen des U-Turms sollten nun vom hARTwareMedienKunstVerein, der Dortmunder Hochschule und für die kulturelle Bildung genutzt werden. Zunächst war für diese Etagen lediglich ein so genannter Messebaustandard geplant worden, das heißt ein Ausbau ohne Oberböden, Zwischenwände und ausschließlich mit einer Grundbeleuchtung. Kämmerer Jörg Stüdemann berichtet, dass es in diesen Etagen zu einer immensen Staubbelastung kam, die sich in hohen Reinigungskosten und Schäden bei vielen technischen Geräten im Haus bemerkbar machte. So wurde 2010 der Endausbau beschlossen, und das wiederum lässt die Mietkosten steigen, so Stüdemann.

Aber auch die Energiekosten stiegen, und es kam zu Mehrverbräuchen, beispielsweise für Rolltreppen und den dauerhaften Betrieb der „Winkelmann-Film-Installationen“, die in der ursprünglichen Kostenkalkulation nicht berücksichtigt waren. Auch die ursprünglich nicht geplante Einrichtung eines eigenen Verwaltungsbereichs für die Erledigung von administrativen Aufgaben machte sich finanziell bemerkbar.

Um diese Mehrkosten zu finanzieren, musste an anderer Stelle gespart werden. So wurden beispielsweise seit 2006 28 Stellen im Kulturbereich eingespart, ein Kulturzentrum in Dortmund-Barop verkauft und in der gesamten Stadt die Parkplatzgebühren erhöht, das Veranstaltungsangebot in der Innenstadt reduziert und Dezernate zusammengefasst. So ist Kämmerer Jörg Stüdemann auch zuständig für die Feuerwehr, die Liegenschaften und die Kultur.

Die Stadt verkauft die Verwandlung des U-Turms gerne als stadtbildprägendes Symbol. In Kauf nahm sie dafür, dass der Umbau zu einem finanziell unberechenbaren Abenteuer für die Steuerzahler wurde, weil man mit halbgaren Plänen und Konzepten zu Werke ging, unter dem Druck, das Dortmunder U noch im Kulturhauptstadtjahr eröffnen zu können.
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