Bund der Steuerzahler NRW - Tanzprojekt in Münster mit Geschmäckle


05.07.2012

Tanzprojekt in Münster mit Geschmäckle

184.000 Euro hat die Stadt bereits gezahlt, ob es die Uraufführung tatsächlich geben wird, scheint ungewiss.


(Foto: gem/Fotolia)
Natürlich ist es nicht ungewöhnlich, wenn ein Ratsmitglied mit über den Antrag auf einen Zuschuss für ein kulturelles Projekt entscheidet. Auch nicht, wenn der Ratsherr Mitglied in der Arbeitsgruppe ist, die sich mit allen Anträgen auf Gewährung von Zuschüssen aus der Sparkasse Münsterland-Ost beschäftigt. Merkwürdig ist dann schon eher, dass besagter Politiker sich bei der Entscheidung, ob der Verein, in dem seine Frau künstlerische Leiterin ist, einen Zuschuss von 184.000 Euro für ein Tanzprojekt bekommt, nicht zurückhält. Und wenn die Veranstaltung, dann noch nicht mal wie geplant stattfindet.

Münster. Das Mariinski-Ballett St. Petersburg soll im nächsten Jahr den Weg nach Münster finden, um dort mit „Der Clown – Ballett in 3 Teilen und 16 Bildern“ eine Uraufführung zu feiern. Die Stadt Münster hat dem organisierenden Verein „Tanzspektrum“ bereits 184.000 Euro an Zuschüssen aus der Gewinnausschüttung der Sparkasse Münsterland Ost gezahlt, 30.000 Euro hat der Verein selbst angespart. Klingt doch erstmal gut, oder? Oder.

Wenn man sich das Projekt näher ansieht, bekommt es ein Geschmäckle. Ursprünglich war das Projekt bereits für Mai 2011 geplant. Der Rat der Stadt Münster hatte in seiner Sitzung Ende September 2010 einstimmig beschlossen, dem Tanzspektrum den Zuschuss zu geben und das Geld im Oktober ausgezahlt.

Wäre die Uraufführung im Mai vorigen Jahres ein rauschender Erfolg geworden, wären wohl kaum kritische Fragen aufgetaucht. Doch das Projekt wurde verschoben, soll jetzt im März 2013 über die Bühne gehen – und die Presse in Münster berichtet, dass es noch eine Finanzierungslücke von 100.000 Euro gebe, die von Sponsoren geschlossen werden soll. Von einer solchen Finanzierungslücke weiß die Stadt Münster nach eigenen Angaben jedoch nichts. Sie geht davon aus, dass die Veranstaltung stattfindet.

Eine fragwürdige Verbindung
Nun ist die künstlerische Leiterin des Tanzspektrums die Ehefrau eines Ratsmitglieds, das mit über den Antrag auf Zuschuss entschieden hat und zudem Mitglied der Arbeitsgruppe ist, die sich mit allen Anträgen auf Gewährung von Zuschüssen aus der Gewinnausschüttung der Sparkasse Münsterland Ost beschäftigt. Es wäre sicherlich klüger gewesen, hätte sich der Ehemann bei der Entscheidung über den Antrag des Tanzspektrums bedeckt gehalten. Denn so tut sich die Frage auf, ob da nicht vielleicht ein zweifelhaftes Projekt recht bevorzugt finanziell unterstützt wurde. Wie das ganze ausgeht, bleibt vorerst abzuwarten.

Die Stadt Münster ist jedenfalls nachdenklich geworden. Sie teilt dem Bund der Steuerzahler NRW mit, dass sie „das Verfahren der Auszahlung von Zuschüssen in der hier ausgewiesenen Höhe überdenken wird; möglicherweise kommt zukünftig eine Auszahlung in Teilbeträgen in Betracht“. Und sollte „Der Clown“ doch nicht die Bühne betreten, „wird die Stadt Münster den gewährten Zuschuss zurückfordern“. Hoffentlich mit Zinsen, denn die ausgezahlten 184.000 Euro nutzen derzeit weder der Stadt noch anderen Projekten.
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