Bund der Steuerzahler NRW - Solides Fundament für neues Stadthaus

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26.10.2018

Solides Fundament für neues Stadthaus

So geht es mit den Plänen in Bergisch Gladbach weiter


(Foto: Markus Berkenkopf / BdSt NRW)
Es ist ein ungewöhnliches Projekt: Die Stadt Bergisch Gladbach hat den Bund der Steuerzahler NRW gebeten, sie beim Bau ihres neuen Stadthauses mit kritischen Fragen und Anregungen zu begleiten. So soll dem Gebot der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit bei dieser Investition mehr Gewicht verliehen und eine Baukostenüberschreitung möglichst verhindert werden. Im September ging das Projekt in eine neue Phase.

Bergisch Gladbach. Es soll nicht einfach nur ein Verwaltungsgebäude für mehrere 100 Beschäftigte der Stadt werden, sondern angesichts der exponierten Lage direkt neben dem Bahnhof auch ein Entrée zur Stadt. Im Erdgeschoss soll neben dem Bürgerbüro die Stadtbücherei untergebracht werden, eine Espressobar soll helfen, Wartezeiten auch der Bus- und Bahnpendler zu überbrücken, ein Mobilitätszentrum und ein Eine-Welt-Laden bieten zusätzlichen Service. Anfang September gingen die Sach- und Fachpreisrichter sowie Vertreter von Politik und Verwaltung die umfangreiche Auslobung minutiös durch und beantworten die Fragen der anwesenden Architekten, die sich am Wettbewerb beteiligen möchten.

18 Architekturbüros sind am Start, sechs von ihnen werden ausgewählt, ihre Pläne zu vertiefen, wenn die Entwürfe den Preisrichtern städtebaulich passend erscheinen sowie rechtlich und technisch umsetzbar sind. Auf einige Punkte machte Simon Hubacher vom Büro neubighubacher, das für die Stadt das Wettbewerbsmanagement übernommen hat, die Architekten aufmerksam. „Die Gebäudeseite zum Bahnhof ist keine Rückseite, sondern soll vielmehr auch eine Adresse sein“, so Hubacher. Der Bahnhof sei mit Fördermitteln gebaut worden. Wenn Architekten dort Änderungen planen, wären Rückzahlungen die Folge. Das würde für die Stadt Bergisch Gladbach richtig teuer. Sollte die Lage eines Abspannmastes für die Oberleitung der S-Bahn überplant werden, müsse mit Kosten in sechsstelliger Höhe gerechnet werden.

Schaufenster

Weiter betonte Hubacher, dass sich die Architekten auf ein Untergeschoss beschränken sollen. „Der Untergrund in Bergisch Gladbach ist so felsig und zerklüftet, dass ein zweites Untergeschoss ein echter Malus für das Gebäude wäre“, mahnte er. Im Erdgeschoss machen sich unterschiedliche Nutzer gegenseitig Konkurrenz. „Es ist Ihre Aufgabe, die Bücherei und die Büros als Schaufenster zu gestalten und den Wartebereichen Aufenthaltsqualität zu verleihen“, sagte Hubacher.

Unabhängig von dem Gebäude soll am westlichen Ende des S-Bahnsteigs eine Fuß- und Radverbindung zwischen den Wohngebieten nördlich der Bahnlinie und der Innenstadt südlich davon entstehen. Hier gilt es, den noch fertigzustellenden Endausbau des S-Bahnsteigs zu berücksichtigen und eine Möglichkeit zu schaffen, den Bahnsteig auch über diesen Verbindungsweg zu erreichen.

Wert gelegt auf Details

Viele weitere Details enthält die Auslobung: Wie werden Sonnen- und Lärmschutz auf der Südseite des neuen Rathauses, die zur Bahn hin liegt, umgesetzt? Wie geht man mit dem Elektrosmog um, der besonders dann entsteht, wenn die S-Bahn-Triebwagen neben dem Gebäude anfahren? Wie gelingt es, die Räumlichkeiten den unterschiedlichen Öffnungs- und Betriebszeiten der Verwaltung, der Stadtbücherei und der Polizei anzupassen?

Diese wenigen Beispiele zeigen, dass sich die Stadt Bergisch Gladbach mit den Erfordernissen und den Ansprüchen an ihr neues Stadthaus intensiv auseinandergesetzt hat. Für den Bund der Steuerzahler NRW ist eine solche detaillierte Planung eine fundamentale Voraussetzung, damit die Baukosten im Rahmen bleiben.
Herzensanliegen mit Bedacht

Herzensanliegen

Als nächstes gilt, sich in keines der Modelle zu verlieben, auch wenn Auge und Herz sich schnell begeistern lassen und es sicher vielen Verantwortlichen bei diesem Projekt so geht wie Bürgermeister Lutz Urbach: „Das Projekt Stadthaus ist mir ein Herzensanliegen.“ Eine Visitenkarte für Bergisch Gladbach darf das neue Stadthaus werden, doch sollte jeder, der für die Umsetzung mit verantwortlich ist, am Ende sagen können: „Wir haben solide geplant, rational entschieden und sind bei unseren Entscheidungen geblieben.“ Das sind beste Bedingungen, damit der Kostenrahmen überschaubar bleibt.
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