Bund der Steuerzahler NRW - Schleichend steigt die Steuerlast


09.05.2016

Schleichend steigt die Steuerlast

Rentner werden von kalter Progression voll erwischt.


(Foto: Fotolia, Janina Dierks)
Immer mehr Rentner müssen Steuern zahlen, und diese Steuerlast steigt ständig. Die Gründe: Der steuerfreie Anteil der Rente wird kleiner, der Versorgungsfreibetrag sinkt, und jede Rentenerhöhung ist voll steuerpflichtig.

Seit der Einführung des Alterseinkünftegesetzes im Jahr 2005 und der damit verbundenen höheren Besteuerung der Altersrenten hat sich die Zahl der Rentner mit steuerpflichtigen Renteneinkünften zwischen 2004 und 2011 um zwei Millionen erhöht. Dies ergibt sich aus der „aktuellen“ Datensammlung zur Steuerpolitik des Bundesfinanzministeriums.

Für die Jahre danach müsste es einen weiteren starken Anstieg geben. Im selben Zeitraum (bis 2011) hat sich auch die durchschnittliche Einkommensteuerbelastung von Rentnern mit ausschließlichen Renteneinkünften verzehnfacht. Dies hat verschiedene Gründe:

Der steuerfreie Anteil der Rente sinkt

Bei jedem neuen Renteneintritts-Jahrgang sinkt der steuerfreie Anteil der Rente. 2005 betrug er noch 50 Prozent, 2010 noch 40 Prozent und im Jahr 2016 nur noch 28 Prozent. Auch in Zukunft sinkt er weiter: bis 2020 um jeweils zwei Prozentpunkte pro Jahr, ab 2021 um jeweils einen Prozentpunkt bis 2040.

Wer 2005 in Rente gegangen ist, zahlt also auf die Hälfte seiner Rente Steuern. Bei einem ledigen Rentner bleiben in diesem Fall höchstens 1.604 Euro steuerfrei, wenn man den Werbungskostenpauschbetrag von 102 Euro bei den Renten, den Sonderausgabenpauschbetrag von 36 Euro und den Abzug der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge auf die Rente berücksichtigt.

Bei einem Rentner, der 2010 in Rente gegangen ist und von dessen Rente 40 Prozent steuerfrei sind, bleiben maximal 1.388 Euro vom Zugriff des Fiskus verschont. Wer in diesem Jahr in Rente geht, muss bereits 72 Prozent seiner Rente versteuern und kann bestenfalls 1.196 Euro steuerfrei behalten.


Kommen noch weitere Rentenbezüge hinzu, wie eine Zusatzversorgungs- oder eine Lebensversicherungsrente, können auch niedrigere Renten zur Besteuerung führen. Dasselbe gilt bei einem zusätzlichen Bezug einer Werksrente.

Der Versorgungsfreibetrag sinkt

Gerade wer eine zusätzliche Werksrente (Firmenpension) bezieht, ist umso stärker betroffen, je später er in Rente geht. Der Prozentsatz sinkt jährlich um 1,6 Prozentpunkte, der Höchstbetrag wird Jahr für Jahr um 120 Euro und der Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag um 36 Euro abgeschmolzen. Es gelten folgende Beträge:

Jahr %-Satz Höchstbetrag Zuschlag
2005 40,0 % 3.000 € 900 €
2006 38,4 % 2.880 € 864 €
2007 36,8 % 2.760 € 828 €
2008 35,2 % 2.640 € 792 €
2009 33,6 % 2.520 € 756 €
2010 32,0 % 2.400 € 720 €
2011 30,4 % 2.280 € 684 €
2012 28,8 % 2.160 € 648 €
2013 27,2 % 2.040 € 612 €
2014 25,6 % 1.920 € 576 €
2015 24,0 % 1.800 € 540 €
2016 22,4 % 1.680 € 504 €

Dazu ein Beispiel: Die Höhe der Werksrente beträgt 3.000 Euro im Jahr. Beginn ist das Jahr 2015. Der Versorgungsfreibetrag beträgt 3.000 Euro x 24 Prozent = 720 Euro. Dieser wird auch berücksichtigt, da er unterhalb des Höchstbetrages liegt. Hinzu kommen 540 Euro für den Zuschlag. Insgesamt werden 1.260 Euro abgezogen. Nach Abzug eines Werbungskostenpauschbetrags in Höhe von 102 Euro unterliegen 1.638 Euro der Besteuerung für das Jahr 2015.

Jede Rentenerhöhung voll steuerpflichtig

Hinzu kommt, dass jede Rentensteigerung in den Folgejahren voll steuerpflichtig ist. Steigt also die Rente im Jahr um 200 Euro, muss der Rentner die gesamten 200 Euro versteuern.

Eine eigene Berechnung des Bundes der Steuerzahler NRW hat ergeben, dass ein lediger Rentner, der im Jahr 2005 eine Bruttorente in Höhe von 20.000 Euro bezog, zehn Jahre später, also 2015, gegenüber 2005 einer dreimal so hohen Steuerbelastung ausgesetzt ist. Dies konnte auch das steuerfreie Existenzminimum nicht ausgleichen, das in der Zwischenzeit gestiegen ist. Das zeigt deutlich, dass auch die Rentner in den letzten Jahren der kalten Progression bzw. den heimlichen Steuererhöhungen ausgeliefert waren.

Die für das Jahr 2016 zu erwartende Rentensteigerung in Höhe von 4,5 Prozent wird sich also auch auf die Höhe der Besteuerung der Renten auswirken. Das kann sogar dazu führen, dass künftig auch Rentner, die bisher keine Steuererklärung abgeben mussten, in die Steuerpflicht rutschen.
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