Bund der Steuerzahler NRW - Schleichend steigt die Steuerlast (2)

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03.06.2016

Schleichend steigt die Steuerlast (2)


Foto: Gina Sanders, Fotolia
Die Rente mag sicher sein, ihre Besteuerung ist es auch. Immer mehr Rentner rutschen in die Steuerpflicht und haben so weniger „übrig“. Der Prozess geschieht schleichend, unter anderem weil der Vorwegabzug für die Kranken- und Pflegeversicherung ständig sinkt und auch der Altersentlastungsbetrag Jahr für Jahr schrumpft.

Paragraf 10 Einkommensteuergesetz (EStG) behandelt die Vorsorgeaufwendungen. Es wird zwischen unbeschränkt abzugsfähigen Sonderausgaben und beschränkt abzugsfähigen Sonderausgaben unterschieden.
Unbeschränkt abzugsfähig sind z.B. die gezahlte Kirchensteuer, abzüglich möglicher Erstattungen durch das Finanzamt, und die gezahlten Mitgliedsbeiträge und Spenden an gemeinnützige Organisationen und Vereine.

Beschränkt abzugsfähig sind gesetzliche Pflichtversicherungsbeiträge, die Basisabsicherung bei der privaten Krankenversicherung, aber auch private Zusatzversicherungen und weitere Versicherungen wie die Haftpflicht- (privat und Auto), die Unfall- oder eine Sterbeversicherung. Beschränkt abzugsfähig bedeutet, dass diese Beiträge sich nicht in voller Höhe steuermindernd auswirken. Bei der Berechnung wird es kompliziert. Dies liegt daran, dass bei der Steuererklärung eine so genannte Günstigerprüfung für die Berechnung zum Tragen kommt, weil verschiedene gesetzliche Regelungen zumindest noch bis zum Jahr 2019 nebeneinander gelten.

Seit dem Jahr 2010 müssen die selbstgetragenen Aufwendungen zur Kranken- und Pflegeversicherung in vollem Umfang anerkannt werden, bei privat Krankenversicherten die Basisabsicherung. Weitere Versicherung führen nur dann zu einer Minderung, wenn die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge einen bestimmten Höchstbetrag nicht überschreiten. Diese Höchstbetragsberechnung setzt sich aus einem so genannten Vorwegabzug und zwei weiteren Höchstbeträgen in Höhe von 1.334 Euro bei Ledigen bzw. 2.668 Euro bei Verheirateten und 667/1.334 Euro zusammen.

Seit 2011 sinkt jedoch der Betrag des Vorwegabzugs. Ursprünglich betrug er 3.000/6.000 Euro. Seitdem sinkt er jedes Jahr um 300/600 Euro. Im Jahr 2016 beträgt der Vorwegabzug somit nur noch 1.200 bzw. 2.400 Euro, so dass nur noch maximal 3.201 bzw. 6.402 Euro steuermindernd berücksichtigt werden können. Auch diese Maßnahme führt zu einer Erhöhung der Steuerlast bei der Besteuerung der Renten.

Altersentlastungsbetrag sinkt
Einen Altersentlastungsbetrag erhalten Steuerzahler, die am Anfang eines Jahres das 64. Lebensjahr vollendet haben. Die Höhe des Altersentlastungsbetrages ist vom Zeitpunkt der Vollendung des 64. Lebensjahres abhängig. Er wird für alle Einkünfte gewährt, die keine Alterseinkünfte sind, also bei Einkünften aus Vermietung oder Kapitaleinkünften außerhalb der Abgeltungssteuer oder wenn noch Arbeitslohn bezogen wird. Der Altersentlastungsbetrag wird vom Finanzamt automatisch gewährt, sofern die entsprechenden Einkünfte vorliegen. Bei Ehegatten gilt dies für jeden Partner gesondert.

Seit 2005 sinkt der Altersentlastungsbetrag jedes Jahr um 1,6 Prozentpunkte bzw. 76 Euro beim Höchstbetrag. Wer also z.B. zu Beginn des Jahres 2015 das 64. Lebensjahr vollendet hatte, dem steht ein Altersentlastungbetrag in Höhe von 24 Prozent der oben beschriebenen Einkünfte zu, maximal 1.140 Euro.

Jahr Prozentsatz Höchstbetrag
2005 40,0 % 1.900 €
2006 38,4 % 1.824 €
2007 36,8 % 1.748 €
2008 35,2 % 1.672 €
2009 33,6 % 1.596 €
2010 32,0 % 1.520 €
2011 30,4 % 1.444 €
2012 28,8 % 1.368 €
2013 27,2 % 1.292 €
2014 25,6 % 1.216 €
2015 24,0 % 1.140 €

Fazit: Der Beitrag der Rentner zum gesamten Steueraufkommen steigt stetig. Diese Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren verstärkt fortsetzen. Besonders hohe Rentensteigerungen, wie sie z.B. in diesem Jahr zu erwarten sind, tragen dazu bei. Das Bundesfinanzministerium geht von zusätzlich 160.000 Rentnern aus, die eine Steuererklärung abgeben müssen.
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