Bund der Steuerzahler NRW - Opulenter Abschied auf Steuerzahlerkosten


24.08.2012

Opulenter Abschied auf Steuerzahlerkosten

Scheidender Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Hagen feierte für 31.000 Euro.


(Foto: Barbara Pheby/Fotolia)
Es sollte ein Abschiedsfest in angemessenem Rahmen werden. So war es mit dem Aufsichtsrat der kommunalen Hagener Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft besprochen gewesen. Der Geschäftsführer der Gesellschaft, der in den Ruhestand ging, hatte offenbar seine ganz eigenen Vorstellungen von „angemessen“. Er organisierte eigenmächtig ein Fest für 31.000 Euro. Im Nachhinein übernimmt er zwar rund 16.000 Euro für das Fest, dennoch ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue gegen den Ex-Geschäftsführer mit Hang zu dekadenten Festlichkeiten.

Hagen. Eine Abschiedsfeier in einem Museum mit Büfett und Wein vom Edel-Italiener, einem Tenor der Oper Köln, von einer Agentur verfasste Lobreden und ein eigenes Logo: Wer acht Jahre lang sein Wirken in den Dienst eines Unternehmens gestellt hat, der hat sich so eine opulente Sause für mehr als 31.000 Euro verdient.

So hat es zumindest Harald Kaerger, ehemaliger Geschäftsführer der Hagener Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft (ha.ge.we), gesehen. Ende Februar trat er in den Ruhestand und organisierte seine Verabschiedung gleich selbst. Von einer Agentur ließ er sich ein Logo entwickeln: „harald.geht.weg“ – passend zum Logo seines Arbeitgebers. Die Kosten sollte die ha.ge.we übernehmen. Immerhin, so dachte wohl Kaerger, hatte der Aufsichtsrat der ha.ge.we ja beschlossen, dass die Verabschiedung „in angemessenem Rahmen“ erfolgen soll.

Die Öffentlichkeit fand das Ganze aber gar nicht angemessen, schließlich ist die ha.ge.we eine Gesellschaft der Stadt Hagen. Nachdem die dicke Rechnung vorlag und die öffentliche Empörung groß war, kam heraus, dass der Aufsichtsrat der Wohnungsgesellschaft von dem Ausmaß der Feierlichkeit vorher keine Ahnung hatte. Mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden sei der Programmablauf abgestimmt worden. „Es war hieraus in keiner Weise erkennbar und unter normalen Umständen vorstellbar, dass – noch dazu unter der Diktion einer angemessenen und damit kostenbewussten Veranstaltungsform – derart exorbitante Gesamtkosten entstehen würden“, heißt es.

Für den Aufsichtsrat sei es selbstverständlich gewesen, „dass der ,angemessene Rahmen’ durch den Unternehmenszweck als sozial engagierte kommunale Wohnungsgesellschaft mit Bekenntnis zur freiwilligen Gemeinnützigkeit definiert wird“. Dieser Unternehmenszweck scheint dem eigenmächtig handelnden Ex-Geschäftsführer während seiner achtjährigen Tätigkeit nicht bekannt gewesen zu sein. Im Nachhinein hat er sich bereiterklärt, 16.000 Euro für die Feier selbst zu tragen.

Übrigens: Die Staatsanwaltschaft ermittelt derweil gegen Harald Kaerger wegen des Verdachts auf Untreue. So hat sich Harald Kaerger seinen selbstinszenierten Abschied bestimmt nicht vorgestellt.
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