Bund der Steuerzahler NRW - Neue Stühle für neue Köpfe

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08.06.2011

Neue Stühle für neue Köpfe

Einige der neuen NRW-Minister haben sich ihre Büros für viel Geld neu einrichten lassen.


(Foto: Fotolia)
12 Jahre hatte der Drehstuhl im Büro der neuen Ministerin für Schule und Weiterbildung auf dem Buckel. Verständlich also, dass Sylvia Löhrmann sich einen neuen genehmigte. Doch warum es ein Drehstuhl für mehr als 1.500 Euro sein muss, dass bleibt unverständlich. Ebenso wie die Tatsache, dass Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger zwar beim Drehstuhl spart sich aber dafür vier Lampen im Wert von mehr als 3.000 Euro anschafft. Beim Steuerzahler dürfte das keinen faden Beigeschmack, sondern ein unangenehmes Ziehen im Rücken hinterlassen - und das rührt nicht von schlechten Bürostühlen.

Düsseldorf. Neue Minister braucht das Land, und neue Möbel brauchen die Minister. Unter diesem Motto scheinen einige der neuen Landesminister in ihre Büros eingezogen zu sein. Das zeigte sich bei der Antwort der neuen Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der CDU.

Die Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat sich demnach für eine Vielzahl von Büchern, die „repräsentativ und angepasst“ in ihrem Zimmer untergebracht werden sollten, ein Bücherregal im Wert von 1.900 Euro gekauft. Die Begründung für diesen Kauf ist einleuchtend: Es war schlicht kein Regal vorhanden.

Auch die Begründung, warum die Ministerin für Schule und Weiterbildung Sylvia Löhrmann einen neuen Bürostuhl braucht, scheint verständlich. Der bisherige Drehstuhl war schon zwölf Jahre alt, entsprach nicht mehr der Arbeitsplatzergonomie und war damit nicht mehr nutzbar. Der Preis für den neuen Stuhl lässt aber normale Arbeitnehmer schlucken: 1.539 Euro. Ein stolzer Preis, zumal es auch anders geht.

So hat sich Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger ebenfalls einen neuen Drehstuhl zugelegt, der nur 824 Euro kostete – schade, dass er seiner Kollegin nicht gleich einen mitbesorgt hat. Allerdings ist der Drehstuhl auch das einzige Möbel, bei dem der Wirtschaftsminister auf den Preis geachtet hat. Er genehmigte sich nämlich noch einen Ruhesessel nebst Hocker für 1.730 Euro und einen Flachbildschirm mit Ständer für 3.898 Euro (beides war vorher nicht vorhanden) sowie drei Stehlampen und eine Schreibtischlampe für satte 3.161 Euro, weil der Austausch „des veralterten Beleuchtungssystems erforderlich war“.

Der Bund der Steuerzahler NRW sieht es etwas anders: Zwar ist es absolut nachvollziehbar, dass Konferenzstühle oder ein Schreibtisch nebst Sideboard und Rollcontainer nach 20 oder 30 Jahren Nutzung erneuert werden, wie im Finanz- und im Familienministerium geschehen. Doch an der Notwendigkeit vier derart teurer Lampen sowie eines solch hochwertigen Flachbildschirms hat der Verband erhebliche Zweifel. Auch dass der Drehstuhl einer Ministerin fast doppelt so teuer ist wie der Stuhl eines anderen Ministers, hinterlässt in diesem Fall keinen schalen Beigeschmack, sondern ein unangenehmes Ziehen im Rücken – und das liegt nicht an unseren Bürostühlen.
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