Bund der Steuerzahler NRW - Münsters un(v)erkennbare Platzgestaltung

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07.04.2010

Münsters un(v)erkennbare Platzgestaltung

Der Picasso-Platz zeigt Picassos Gesicht - doch leider ist das nur von weit oben zu sehen.

In Münster liegt das Geld nicht auf der Straße, aber dafür auf dem Platz. Genauer: auf dem Picasso-Platz. Dort, vor dem Graphikmuseum, hat die Stadt ein Porträt des spanischen Künstlers Pablo Picasso in roten und grauen Steinen verlegen lassen. Künstlerisch ein echter Clou? Vielleicht. Finanziell eine echte Steuergeldverschwendung? Ja. Denn der Künstler ist nur sehr schwer zu erkennen.

Münster. In der Theorie ist das Projekt wunderbar. Das graphische Lebenswerk von Pablo Picasso ist der Schwerpunkt des Graphikmuseums in Münster. Da war es naheliegend, dass der Picasso-Platz gegenüber dem Museum bei der städtebaulichen Neuordnung des Museums-Umfeldes dieser Tatsache Rechnung tragen sollte. Der Plan: Das Konterfei des Künstlers sollte den Platz zieren. Doch in der Praxis ist das Projekt weniger wunderbar als vielmehr wundersam.

Zunächst einmal ist das Picasso-Porträt aus Augenhöhe nicht zu erkennen. Man müsste schon ins Museum gehen und dort in den höheren Etagen aus dem Fenster schauen. Aber der dritte Stock des Museums ist für die Öffentlichkeit leider nicht mehr zugänglich...


Selbst mit viel Phantasie ist das Muster der Pflastersteine nicht als ein Gesicht - geschweige denn als Picassos-Gesicht - zu erkennen. (Foto: BdSt NRW)
Dann gab es rechtliche Unstimmigkeiten. Der Erbe des Künstlers stimmte der Darstellung Picassos nach einem Bild von Robert Capa erst nicht zu. Das mit der Platzgestaltung beauftragte Architekturbüro konnte ihn aber überzeugen. Doch wird Picasso in Münster nicht mehr seinen nackten Oberkörper präsentieren wie auf dem Foto. Er bekommt noch in diesem Jahr vom Kinn abwärts einen Ringelpulli verlegt, der direkt bis ans Museum heranreicht...

Bisher hat die Kunst im öffentlichen Raum rund 417.000 Euro verschlungen. Das Land hat aus seinem Fördertopf „Stadt macht Platz – NRW macht Plätze“ bislang 125.000 Euro dazugetan. Die Stadt Münster geht davon aus, dass sie unter den geschätzten Gesamtkosten von 563.000 Euro bleiben wird.

Unterm Strich zahlt der Steuerzahler also rund eine halbe Million für ein Porträt, das man nicht erkennen kann. Ach ja, zentnerschwere „Pixelstühle“ aus Beton, ein Baum und Lampen werden den Platz vervollständigen. So schafft die Stadt nach eigenen Worten „neue Stadträume mit hoher städtebaulicher Güte und Aufenthaltsqualität“. Vielleicht hat „Qualität“ doch mit „Qual“ zu tun...
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