Bund der Steuerzahler NRW - Lüdenscheid greift mit Schwung in die Fördertöpfe

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20.01.2012

Lüdenscheid greift mit Schwung in die Fördertöpfe

Lukrative Mittel aus der Regionale 2013 verführen die Stadt zum Risiko bei der Phänomenta.


(Grafik: schneider+schumacher, Frankfurt)
Die Phänomenta, ein gut gehendes privates Wissenschaftsmuseum in Lüdenscheid, ist bisher ganz ohne öffentliche Gelder ausgekommen. Zur Regionale 2013 putzt sich Lüdenscheid heraus und in eben dieses Museum soll viel Geld fließen – 14 Millionen Euro um genau zu sein. Ein Focault’sches Pendel, das die Erdrotation erlebbar macht, soll die Attraktion werden. Finanziert werden soll das Ganze durch Fördergelder. 90 Prozent der Kosten übernehmen Land und EU – also der Steuerzahler.

Lüdenscheid. Lüdenscheid bereitet sich auf die Regionale 2013 vor. Das teuerste Projekt ist der Ausbau der Phänomenta, einem weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Wissenschaftsmuseum, in dem Besucher technische und physikalische Experimente selbst ausprobieren können. Fast 14 Millionen Euro sollen in den Ausbau des Museums fließen. Als Attraktion soll ein weithin sichtbarer, 70 Meter hoher Stahlturm mit Foucault’schem Pendel dienen. Dann können die Besucher die Erdrotation künftig hautnah am übergroßen Modell erleben. Zusätzliche Lichtinstallationen sollen den Tag- und Nacht-Rhythmus erfahrbar machen. Für die Lüdenscheider könnte sich das ehrgeizige Vorhaben allerdings zu einem Finanzdesaster entwickeln.

Das Museum Phänomenta gehört einer privaten Trägergesellschaft. Sicher einzigartig und aus Steuerzahlersicht lobenswert ist die Tatsache, dass die Einrichtung bisher ohne Steuergelder auskommt. Doch das soll sich jetzt ändern. Das Museum soll mit Hilfe öffentlicher Gelder im Rahmen der Regionale zu einem regionalen Leuchtturmprojekt werden. Dafür erwartet man in Lüdenscheid üppige Zuwendungen, auch aus dem EU-Strukturfonds. 90 Prozent der Kosten übernehmen Land und EU, also am Ende die Steuerzahler. Die Stadt selbst ist nur mit zehn Prozent an den Kosten beteiligt, trägt aber erhebliche Risiken, wie jetzt bekannt wurde. Sie hat sich verpflichtet, die Phänomenta 15 Jahre lang weiterzuführen, falls der Trägerverein dies aus eigener Kraft nicht schafft.

Andernfalls müssten die Fördermillionen zurückgezahlt werden, wie es in der Stadt heißt. Der Zeitplan ist eng, und die Ausschreibung muss nach komplexem EU-Recht durchgeführt werden. Deshalb wird externer Sachverstand eingekauft. Und auch die Mehrarbeit der Stadtverwaltung schlägt zu Buche. Das kostet richtig viel Geld: Inzwischen musste der Kämmerer alleine für zusätzliches Personal überplanmäßig eine knappe Million Euro bereitstellen. Und wie fast immer, wenn die öffentliche Hand baut, könnte es Kostenüberraschungen geben. Die Verwaltung wies in einer Vorlage an den Rat darauf hin, dass man mit einem solchen Bauwerk bislang keine Erfahrung habe und die Kosten bisher nur grob nach der einschlägigen DIN 276 geschätzt seien. Sollte es zu Mehrkosten kommen, werden diese wohl an der Stadt hängen bleiben.

Warum der Rat dem Vorhaben unter diesen Bedingungen überhaupt zugestimmt hat, ist schwer verständlich. Dreht man doch in Lüdenscheid heute schon jeden Cent ohnehin schon dreimal um. Aber wenn lukrative Fördermittel winken, werden regelmäßig Sparbemühungen schnell vergessen.
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