Bund der Steuerzahler NRW - Leichter zur Rentner-Krankenversicherung

Tipps und Service
01.10.2017

Leichter zur Rentner-Krankenversicherung

Neue Regelungen nutzen, um von günstiger KVdR zu profitieren

(Foto: Pixabay)
Freiwillig gesetzlich Krankenversicherte haben im Rentenalter oft die Möglichkeit, bei ihrer Krankenkasse zu günstigeren Konditionen in der Krankenversicherung der Rentner versichert zu werden. In vielen Fällen müssen die Versicherten jedoch bei der Krankenkasse nachhaken, damit die Umstellung vorgenommen wird.
Selbstverständlich müssen auch einige Voraussetzungen erfüllt sein, die durch eine Gesetzesänderung zum 1. August etwas vereinfacht worden sind. Wer Kinder hat, kann die erforderliche Vorversicherungszeit nun leichter erfüllen.

Düsseldorf. Die Pflichtversicherung in der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) ist oft günstiger als die freiwillige Versicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung, weil Mieteinkünfte und Kapitaleinkünfte bei der Beitragsbemessung außen vor bleiben. Auch Mindestbeiträge gibt es in der KVdR im Gegensatz zur freiwilligen Versicherung nicht. Wer also bisher beispielsweise als Selbstständiger in der gesetzlichen Krankenversicherung freiwillig versichert ist, sollte im Rentenalter bestrebt sein, von seiner Krankenkasse so früh wie möglich in die KVdR aufgenommen zu werden.

3 Voraussetzungen

Die Aufnahme in die KVdR ist an drei Voraussetzungen geknüpft: 1. Es muss eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung beansprucht werden können. 2. Man muss eine bestimmte Vorversicherungszeit in der gesetzlichen Krankenversicherung erfüllen. 3. Man darf nicht mehr hauptberuflich selbstständig erwerbstätig sein. Hierzu nun ausführlichere Erläuterungen.

Für die erste Voraussetzung, den Anspruch auf eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung, ist es völlig egal, wie hoch oder niedrig die Rente ist. Auch eine Mini-Rente genügt. Freiwillig gesetzlich Krankenversicherte, die nicht über die gesetzliche Rentenversicherung für das Alter vorsorgen, aber später gerne von der günstigen KVdR profitieren wollen, sollten vor diesem Hintergrund über freiwillige Beitragszahlungen zur gesetzlichen Rentenversicherung nachdenken. Für einen Anspruch auf Altersrente genügen insgesamt fünf Beitragsjahre.

Es gibt Erleichterungen

Bei der zweiten Voraussetzung, der erforderlichen Vorversicherungszeit, sind kürzlich Erleichterungen in Kraft getreten. Wie schon bisher bestimmt das Gesetz, dass der Versicherte von der erstmaligen Aufnahme einer Erwerbstätigkeit bis zum Tag der Rentenantragstellung mindestens neun Zehntel der zweiten Hälfte dieses Zeitraums gesetzlich krankenversichert gewesen sein muss. Diese so genannte 9/10-Belegung kann sowohl mit Zeiten der Pflichtversicherung als auch der freiwilligen Versicherung oder der Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung erfüllt werden. Anders formuliert: Wer in der KVdR versichert sein möchte, darf in der zweiten Hälfte seines Berufslebens nicht mehr als ein Zehntel dieser Zeitspanne privat krankenversichert oder gar nicht krankenversichert gewesen sein.

Gesetzesänderung

An dieser Stelle setzt die aktuelle Gesetzesänderung an. Seit 1. August 2017 ist ergänzend geregelt, dass für jedes Kind pauschal drei Jahre auf die Vorversicherungszeit angerechnet werden. Wer Kinder hat und bisher wegen nicht erfüllter 9/10-Belegung nicht in die KVdR aufgenommen worden ist, sollte bei seiner Krankenkasse nachhaken, ob dies aufgrund der aktuellen Gesetzesänderung jetzt doch noch möglich ist.

Für den Zugang zur KVdR muss jedoch auch noch die dritte Voraussetzung gegeben sein, dass der Versicherte nicht mehr hauptberuflich selbstständig erwerbstätig ist. Gerade Selbstständige bleiben oft über den Rentenbeginn hinaus zunächst noch berufstätig, so dass sich die Frage stellt, wie lange eine selbstständige Tätigkeit noch als hauptberuflich gilt.

Die „Grundsätzlichen Hinweise zum Begriff der hauptberuflichen selbständigen Erwerbstätigkeit“ des GKV-Spitzenverbands vom 23. Juli 2015, an denen sich alle Krankenkassen orientieren, nehmen die Abgrenzung in mehreren Stufen vor. Stufe eins ist die seit Juli 2015 gesetzlich geregelte Vermutung, dass Selbstständige, die sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer beschäftigen, hauptberuflich selbstständig sind. Es handelt sich jedoch um eine widerlegbare Vermutungsregelung, so dass sie für die Praxis nahezu bedeutungslos ist.

Größere Bedeutung haben der mit der selbstständigen Tätigkeit verbundene zeitliche Aufwand und der mit ihr erzielte wirtschaftliche Gewinn. Diesbezüglich gehen die „Grundsätzlichen Hinweise“ von drei Grundannahmen aus (Stufe 2): Bei einer Tätigkeit von bis zu 20 Wochenstunden muss der Gewinn mehr als 26.775 Euro im Jahr betragen, damit die selbstständige Tätigkeit als hauptberuflich gilt. Bei einer Wochenarbeitszeit zwischen 20 und 30 Stunden wird eine hauptberufliche Selbstständigkeit ab einem Jahresgewinn von 17.850 Euro angenommen.

Bei einem Arbeitseinsatz von mehr als 30 Stunden pro Woche wird dagegen schon Hauptberuflichkeit angenommen, wenn der Gewinn mehr als 8.925 Euro beträgt. Letztlich sind aber auch diese Grundannahmen nicht ausschlaggebend, sondern eine Einzelfallprüfung (Stufe 3). Dabei wird geprüft, ob der Gewinn aus der selbstständigen Tätigkeit alle übrigen Einnahmen zum Lebensunterhalt um mindestens 20 Prozent übersteigt. Ist dies (noch) der Fall, wird die selbstständige Tätigkeit (noch) hauptberuflich ausgeübt.

Wer bei Rentenbeginn noch hauptberuflich selbstständig tätig ist und deshalb zunächst nicht in die KVdR aufgenommen wird, sollte von Zeit zu Zeit prüfen, ob die Selbstständigkeit nach den genannten Kriterien inzwischen nicht mehr hauptberuflich ausgeübt wird. In diesem Fall sollte sich der Versicherte umgehend mit seiner Krankenkasse in Verbindung setzen, um von der günstigeren KVdR profitieren zu können.
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