Bund der Steuerzahler NRW - Kulturplatz Leo - alles andere als ein Brüller

Verschwendung > Archiv
07.06.2010

Kulturplatz Leo - alles andere als ein Brüller

Die Gestaltung des Platzes in Castrop-Rauxel fiel teurer aus als geplant und der Platz wird kaum genutzt.


(Foto: BdSt NRW)
Die Innenstadt von Castrop-Rauxel ist seit einiger Zeit um eine Kultureinrichtung reicher: auf dem Schulhof des städtischen Gymnasium gibt es eine Theaterarena. Für 350.000 Euro, finanziert vom Land, wurde sie gebaut. Das Ziel: Sie sollte die Innenstadt lebendiger machen. Doch dieses Ziel ist wahrlich verfehlt. Denn maximal zehn Mal pro Jahr darf in der Arena eine Veranstaltung stattfinden. Und auch in anderer Hinsicht ist die Arena mit dem Namen "Kulturplatz Leo" alles andere als ein Brüller.

Castrop-Rauxel. Wie können die Innenstädte des Ruhrgebiets wieder stärker mit Leben gefüllt werden? Diese Frage richtete das Land im März 2008 in Form eines Wettbewerbs an die Kommunen im Revier. Die beste Antwort kam aus Castrop-Rauxel. Dort schlug man vor, für rund 190.000 Euro auf dem Schulhof des städtischen Adalbert-Stifter Gymnasiums, das direkt in der Altstadt gegenüber dem Markt liegt, eine Open-Air-Arena zu bauen. Finden dort Veranstaltungen statt, zieht das Menschen an, die vorher oder nachher sicherlich auch ein Weilchen in der Altstadt bleiben. Das klingt gut, befand das Land, kürte die Stadt zum Sieger des Wettbewerbs und sagte die Finanzierung des Projekts zu. Schon wenig später mussten die Steuerzahler jedoch feststellen, dass es sich bei dem vermeintlichen Gewinn eher um eine Niete handelt.


Groß wurde die Theaterarena angekündigt, der Nutzen ist dagegen sehr klein. (Foto: BdSt NRW)
Das erste Problem

Zunächst musste die Stadt eingestehen, dass die Kosten im Rahmen des Wettbewerbs aufgrund der zeitlichen Enge und einer hohen Arbeitsdichte, nur sehr grob geschätzt wurden. Bei der konkreten Planung des „Kulturplatzes Leo“, wie die Theaterarena inzwischen getauft wurde, habe man nämlich festgestellt, dass 190.000 Euro für den Bau längst nicht ausreichten. Eher sei mit Kosten von 350.000 Euro zu rechnen. Die Bezirksregierung Münster und das Städtebauministerium nahmen sich daraufhin die Planung noch einmal vor, stimmten dem Bau dann aber zu, ohne eine Anpassung oder Reduzierung des Baus und damit der Kosten zu verlangen.

Die nächsten Probleme
Der Kulturplatz wurde also gebaut. Der Ärger ging jedoch weiter, denn auch in anderen Punkten hatte die Stadt offenbar nur grob geplant. Nicht bedacht wurde beispielsweise, dass sich die Arena auf einem Schulhof befindet und Aufführungen während des Schulbetriebs damit tabu sind. Somit bleiben nur die Abendstunden und die Wochenenden für Veranstaltungen. Doch auch hier gibt es erhebliche Einschränkungen: Denn zum Schutz der Anwohner dürfen maximal zehn Veranstaltungen pro Jahr bis 22 Uhr genehmigt werden. Weiter dürfen diese hauptsächlich zwischen Mai und Oktober und dann maximal an zwei nacheinander folgenden Wochenenden stattfinden.

Das Fazit für die Steuerzahler
Mit anderen Worten: Castrop-Rauxel hat nun eine Theaterarena, die wesentlich teurer ist, als ursprünglich geplant, und die wesentlich seltener genutzt werden kann, als ursprünglich gedacht - womit das Ziel "Innenstadtbelebung" mehr als verfehlt wurde. Was die Steuerzahler ebenfalls ärgern dürfte: Das Adalbert-Stifter-Gymnasium verfügte bereits über eine große und eine kleine Aula - für Veranstaltungen jeglicher Art hat es damit auch ohne Kulturplatz ausreichende Kapazitäten unmittelbar in der Altstadt gegeben. Und auf die Frage, ob Castrop-Rauxel auch ohne Fördergelder die Arena gebaut hätte, lautete die klare Antwort: Nein. Ein Brüller ist Leo für die Steuerzahler damit wahrlich nicht.
Suche
Staatsverschuldung in NRW
0
Zuwachs / Sekunde
0
Schulden / Kopf
0