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24.10.2011

Kein Hoch auf den Hochbahnsteig

Geplanter Bahnsteig im Wohnviertel Dürkopp wird von Anwohnern als unnötig abgelehnt.


(Foto: BdSt NRW)
Im Vorzeige-Stadtquartier Dürkopp Tor 6 will die Stadt Bielefeld eine Straßenbahnhaltestelle anlegen. Das dient zwar der Bequemlichkeit, doch viele Anwohner wollen den Haltepunkt trotzdem nicht. Ihnen reicht die rund 300 Meter entfernte Haltestelle einer anderen Straßenbahnlinie. Zudem fürchten sie um die Wohnqualität und das Fördergelder zurückgezahlt werden müssen. Verschwendung droht - meint auch der Bund der Steuerzahler NRW.

Bielefeld. Eng wird es werden in der Carl-Schmidt-Straße, wenn die Stadt Bielefeld ihre Pläne umsetzt und dort eine Straßenbahnhaltestelle einrichtet. Ein 68 Meter langer, teilweise überdachter Hochbahnsteig soll dort für die Stadtbahnlinie 4 entstehen, die dann nicht wie bisher am Rathaus endet, sondern ein paar 100 Meter weiterfährt bis ins Dürkopp Tor 6. Auf diesem ehemaligen Gelände der Dürkopp-Werke sind in den vergangenen Jahren Wohnungen entstanden, ein berufliches Aus- und Weiterbildungszentrum, ein Jugendgästehaus, betreutes Wohnen für ältere Menschen sowie ein Kultur- und Veranstaltungszentrum mit dem Bielefelder Theaterlabor.


In diese enge Straße soll der Hochbahnsteig gebaut werden. (Foto: BdSt NRW)
Bislang ist dieses Gebiet – ein Projekt der Expo Initiative Ostwestfalen-Lippe des Jahres 2000, das sich „Junges Wohnen, Leben und Arbeiten“ nennt – mit der Stadtbahnlinie 3 an den öffentlichen Schienenverkehr angeschlossen. Die nächsten beiden Haltestellen liegen je knapp 300 Meter entfernt. Damit sind viele Bewohner des neuen Stadtquartiers vollauf zufrieden. Sie legen keinen Wert auf eine eigene Haltestelle mitten in ihrem Viertel, befürchten im Gegenteil eher, dass der Hochbahnsteig es zerschneidet und dass die Straßenbahnen eine Gefahr für Radfahrer und Kinder darstellen und die Senioren des betreuten Wohnens stören, deren Balkone zur Straße hinausgehen.

Die Stadt Bielefeld dagegen argumentiert, dass mit der neuen Haltestelle nicht nur Dürkopp Tor 6 besser erreichbar ist, sondern auch das Finanzamt, das Gymnasium, Geschäfte und der Ravensberger Park. Außerdem seien die östliche Innenstadt und die Universität so ohne Umsteigen erschlossen. Damit erwartet die Stadt auch rund 1.000 zusätzliche Fahrgäste täglich.

Ausschlaggebend für die Pläne der auf rund eine Million Euro geschätzten Investition aber dürfte ein technischer Grund sein: Mit dem Jahr 2011 halten neue, breitere Stadtbahnwagen Einzug in Bielefeld. Für sie braucht man eine weitere Wendemöglichkeit zusätzlich zu der Anlage an der Haltestelle Niederwall – und das soll die Haltestelle im Dürkopp Tor 6-Quartier leisten. Alternative Standorte seien geprüft, aber aus unterschiedlichen Gründen verworfen worden.

Der Seniorenrat unterstützt die Pläne, wie die Presse berichtet. Der nächste Hochbahnsteig, der ein stufenloses Ein- und Aussteigen ermöglicht, ist in etwa 500 Metern Entfernung am Rathaus.

Angst um die Siedlung
Doch die direkten Anwohner in den Vorzeigequartier befürchten, dass mit der Bequemlichkeit, die die Weiterführung der Linie 4 in ihr Gelände bedeutet, gerade der Vorzeigecharakter der Siedlung verlorengeht. Und das für rund eine Million Euro. Damit ist die Kostenseite des Vorhabens für die Stadt aber vielleicht noch nicht beendet. Denn in das Quartier sind Fördermittel aus der Expo-Zeit geflossen, und ob die eventuell zurückgezahlt werden müssen, „kann definitiv erst nach Erstellung einer detaillierten Planung gesagt werden“, so die Stadt Bielefeld. Wenn es dann mal nicht zu spät ist.
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