Bund der Steuerzahler NRW - Kein Beifall vom Steuerzahler

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29.01.2013

Kein Beifall vom Steuerzahler

In Castrop-Rauxel und Aachen bleiben öffentliche Bühnen ohne Publikum.


(Foto: BdSt NRW)
Vor mehr als zwei Jahren wurde der Kulturplatz Leo, eine Theaterarena auf dem Schulhof eines Castrop-Rauxeler Gymnasiums, errichtet. Die Kosten von 350.000 Euro bezahlte überwiegend das Land NRW. 2011 wurde für 147.000 Euro eine Bühne im Aachener Kennedypark errichtet. Wieder sprudelten die Förderquellen des Landes. Beide Bühnen werden bislang kaum genutzt. Eine Überraschung ist das nicht.

Nordrhein-Westfalen. Schon 2010 hatte der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen (BdSt NRW) prophezeit, dass der Kulturplatz Leo – eine Theaterarena auf dem Schulhof eines Castrop-Rauxeler Gymnasiums – wegen der eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten kein Brüller werden würde. Wegen des Schallschutzes für die umliegenden Häuser sind maximal zehn Veranstaltungen bis 22 Uhr pro Jahr genehmigt. Mehr als zwei Jahre nach Eröffnung des Kulturplatzes wird deutlich, dass die Vorbehalte des BdSt NRW richtig waren. Auf eine BdSt-Nachfrage 2011 zu den konkreten Veranstaltungen antwortet die Stadt ausweichend: „Vielerlei Initiativen, Vereine und politische Parteien nutzen den Platz“. Zu diesem Zeitpunkt träumte man in Castrop-Rauxel noch von Aufführungen des Westfälischen Landestheaters und der Bochumer Symphoniker.

Doch nichts davon hat bislang stattgefunden, wie sich nach einer weiteren Anfrage im November 2012 herausstellte. Genutzt wurde der Kulturplatz Leo bisher wohl hauptsächlich von dem Gymnasium – das, nebenbei bemerkt, über eine kleine und eine große Aula verfügt. Sonst fanden auf dem Platz 2012 nur noch zwei musikalische Veranstaltungen mit Bürgerbeteiligung statt. „Auch wir wünschten uns zukünftig eine unterschiedlichere Nutzergruppe des Platzes“, so das vorläufige Fazit der Stadt.

Die Lokalpresse sieht den Kulurplatz Leo ebenfalls als „gescheitert“ an und schlägt scherzhaft vor, dort zur Abhärtung im Winter Ratssitzungen abzuhalten. Als erzieherische Maßnahme habe das wahrscheinlich den positiven Effekt, künftige Investitionsentscheidungen reiflicher als bisher abzuwägen.

Auch in Aachen bleibt die Bühne leer
Die Stadt Aachen hat im Juni 2011 eine 64 Quadratmeter große Bühne im Kennedypark errichtet, die derzeit noch auf ihr Publikum wartet. Es sei der Wunsch der Bürger gewesen, eine Bühne zu bekommen, die von allen Bürgern für unterschiedliche Veranstaltungen genutzt werden kann, so die Stadt. Doch auch hier gab es von vornherein Nutzungsbeschränkungen. Aus Schallschutzgründen sei eine Beschallung in größerem Umfang nur vier Mal im Jahr zulässig. Unwägbarkeiten beim Wetter werden ein weiterer Hemmschuh für Bürger sein, den organisatorischen Aufwand von Aufführungen auf sich zu nehmen.

Die Kosten für die Bühne mit dem faltbaren Dach belaufen sich für die öffentliche Hand auf 147.000 Euro. Tatsächlich war die Bühne noch viel teurer. Weitere Kosten haben jedoch Sponsoren getragen. Bis Ende September 2012 kam die neue Bühne ganze drei Mal zum Einsatz: beim Multikultifest 2011 und 2012 und am Weltkindertag 2012. Das Nutzungskonzept werde derzeit überarbeitet, schreibt die Stadt. Es habe sich herausgestellt, dass allein auf ehrenamtlicher Basis das Potenzial der Bühne nicht ausgeschöpft werden kann. Beifall von den Steuerzahlern wird es wohl vor keiner der beiden Bühnen geben.
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