Bund der Steuerzahler NRW - Gutachteritis auf Kosten der Steuerzahler


12.12.2012

Gutachteritis auf Kosten der Steuerzahler

In Hiddenhausen beseitigt man Wasserschäden mit Gutachten und viel Zeit.


(Foto: roostler/Fotolia)
Was würden Sie tun, wenn es Ihnen durchs Dach regnete? Gutachten, Gegengutachten und – weil es so schön ist – noch ein Gutachten einholen? Mehrere Monate warten, bis alle Gutachten erstellt sind und mit der Beseitigung des Schadens begonnen werden kann? Schließlich überrascht feststellen: Huch, ich habe Schimmel im Haus? So würden Sie bei einem Wasserschaden nicht handeln? Sie vielleicht nicht. Die Stadt Hiddenhausen aber schon. Statt nur saniert zu werden, muss die Sporthalle nun neu gebaut werden. Ausbaden muss das Ganze der Steuerzahler.

Hiddenhausen. Es begann im August 2011. In Hiddenhausen wird mit der Sanierung des Dachs der Sporthalle der Olof-Palme-Gesamtschule begonnen. Kurz nach Beginn der Arbeiten regnete es durch das unzureichend gesicherte Dach in die Halle, wobei der Regen unter den Hallenboden lief. Der Stadt war nach eigenen Angaben an einer „zeitnahen Schadensabwicklung“ gelegen, und so hat sie gemeinsam mit dem Bauunternehmen einen Gutachter beauftragt, den Schaden festzustellen. Angeblich wäre ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren zu langwierig gewesen. Doch dann kam noch ein Gutachten der Versicherung des Bauunternehmens hinzu. Und wie das so ist, wenn mehrere Gutachten vorliegen: Das der Versicherung setzte den Schaden deutlich geringer an als das erste. Damit war die Stadt nicht einverstanden und beauftragte nun ihrerseits wieder einen Gutachter. Dieser ermittelte im Dezember einen Schaden in Höhe von rund 72.000 Euro.

Danach konnte der Hallenboden ausgebaut werden. Mittlerweile war aus dem „feuchtigkeitsbedingten Schimmelrisiko“, auf das nach Angaben der Stadt schon im September hingewiesen worden war, echter Schimmel geworden. Der erstreckte sich nicht nur auf den Hallenboden, unter den der Regen gelaufen war, sondern auch auf die Böden in den Nebenräumen, die Decken, Teile der Elektroinstallation und der Lüftung. Eine Sanierung der Sporthalle sollte laut Presse mit rund 1,5 Millionen Euro zu Buche schlagen. Doch statt dieses Vorhaben jetzt zügig anzugehen – da fiel der Sportunterricht an der Schule bereits seit Monaten aus oder wurde provisorisch unterrichtet –, ließ die Stadt gleich noch eine Alternative prüfen: Neubau! Dafür entschied sich der Rat im Juni dieses Jahres mit großer Mehrheit.

Mehr als 3,3 Millionen Euro soll es laut Presse kosten, die Halle abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Bis die Schüler 2014 in der neuen Sporthalle turnen können, werden sie in andere Hallen gefahren. Die Kosten sind mit rund 1.700 Euro von September 2011 bis Juni 2012 und vermutlich ähnlichen Summen für das kommende Jahr zwar überschaubar, aber unnötig. Es ist unverständlich, dass eine grassierende Gutachteritis die schnelle Beseitigung des Wasserschadens unmöglich gemacht haben soll. Die Leidtragenden sind die Schüler. Und die, die es leid sind, sind die Steuerzahler, die diesen Unfug bezahlen dürfen.
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