Bund der Steuerzahler NRW - Groschengrab Emil-Schumacher-Museum


28.10.2011

Groschengrab Emil-Schumacher-Museum

Kunstquartier in Hagen zieht unerwartete Folgekosten nach sich.


(Foto: BdSt NRW)
Planer hatten beim Bau des Emil Schumacher Museums (ESM) in Hagen besonders geringe Energiekosten versprochen. Doch heute liegen die Folgekosten um fast eine Million Euro höher als in 2002 kalkuliert. Die Gründe sind Mängel in den technischen Anlagen, zudem hatte man bei der Berechnung von 2002 wichtige Positionen nicht berücksichtigt. Mit Absicht? Einmal mehr entpuppt sich ein Leuchtturmprojekt als Groschengrab.

Hagen. Am 28. August 2009 wurde das Emil Schumacher Museum in Hagen eröffnet. Das Haus ist dem Lebenswerk des Hagener Künstlers Emil Schumacher gewidmet, „einem der bedeutendsten Vertreter expressiver Malerei in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“, wie auf den Internetseiten des ESM nachzulesen ist. Die Werke dieses berühmten Sohns der Stadt Hagen wollte man spektakulär präsentieren, obwohl viele Bürger vor den Folgekosten des Museumsbaus gewarnt hatten.

Architekten entwarfen einen weißen rechteckigen Sichtbetonbau, in dem sich die Ausstellungsräume befinden. Umgeben wird der Betonkubus von einer Glashülle. Angeschlossen wurde dieser Neubau an das schon bestehende Osthaus Museum, das im August 2009 wiedereröffnet wurde. Finanziert hatten das rund 23 Millionen teure Bauprojekt das Land NRW, der Regionalverband Ruhr, der Landschaftsverband und die Stiftung Emil Schumacher Museum. Die Folgekosten allerdings trägt die Stadt. Und die sind mittlerweile so hoch, dass Ratspolitiker der lokalen Presse offen gestehen, dass es das Museum heute nicht gäbe, wären die Folgekosten seinerzeit richtig berechnet worden.

Bei der Entscheidung des Rates über das Projekt im Jahr 2002 wurden die Bewirtschaftungskosten und zusätzliche Personalkosten auf 461.000 Euro geschätzt. Bereits vorhandene Personalkosten für das Osthaus Museum, Versicherungen, Gas und Wasser blieben in dieser Kalkulation unberücksichtigt. In 2007 schätzte man die Folgekosten dann auf 871.000 Euro. Die tatsächlich aufgewandten Kosten in 2010 betrugen jedoch 1,3 Millionen Euro. Wieso schon 2002 nicht alle zu kalkulierenden Kosten betrachtet worden waren, ist aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehbar, schreibt die Stadt.

Aalglatte Antwort
Wie war es möglich, dass Politik und Verwaltung nicht auffiel, dass diese Rechnung nicht aufgehen kann? Die aalglatte Antwort der Stadt lässt keinen Zweifel daran, dass kein Interesse daran besteht, die Verantwortlichen von damals zur Rechenschaft zu ziehen. „Heute kann weder bestätigt noch dementiert werden, ob und inwieweit die Zahlen hinterfragt wurden“.

Dabei sollte das ESM mit seinem Energieverbrauch fortschrittlich und vorbildlich sein. Geplant war, den Energiebedarf des Museumskomplexes weitgehend durch regenerative Energien – Photovoltaik und Geothermie – zu decken. Die damals zuständigen Fachverwaltungen hätten zusammen mit den Fachplanern die Zahlen zum Energieverbrauch ermittelt. Dabei hatte man Simulationen an einem Modell durchgeführt, denn das Emil-Schumacher-Haus ist nach Aussagen der Stadt ein Unikat. Das Thema Folgekosten sei erst gegen Ende 2007, nach Projektunterbrechung im Jahr 2004 und erneutem Projektanstoß in 2005, wieder aufgegriffen worden. Als die Planung konkretisiert wurde, seien die 2002 ermittelten Zahlen an dieser Stelle übernommen und dort angepasst worden, wo es neuere Erkenntnisse gab. Die exakten Energiekosten seien erst nach Inbetriebnahme der Haustechnik im Sommer 2009 deutlich geworden.

„Fakt ist, dass die Planer eine energetisch günstige Bewirtschaftung zugesichert haben, die sich in dieser Größenordnung wohl nicht einstellen wird“, so die Stadt. Zudem traten Hygieneprobleme in den haustechnischen Anlagen, vor allem in der Befeuchter- und in der Klimaanlage sowie im Trinkwasserversorgungsnetz auf. Diese Mängel führten zu erhöhten Betriebskosten bei Strom und Wasser, da entsprechend oft gereinigt und gespült werden muss.

Wer verantwortlich ist, wird seit Dezember 2010 in einem selbstständigen Beweisverfahren geklärt. Mit Ergebnissen wird frühestens im Frühjahr 2012 gerechnet. Die Stadt arbeitet derweil daran, alle Möglichkeiten zur Optimierung der Betriebskosten auszuschöpfen. So müssen die Hagener nun damit leben, dass ihr besonderes Highlight mehr kostet als ursprünglich gedacht. Nach Einschätzung der lokalen Presse liegt das daran, dass vor Jahren Zahlen so aufgetischt wurden, wie man sie haben wollte und Realitäten bewusst ausgeblendet wurden. Die klamme Kommune und damit alle Hagener Steuerzahler müssen nun für die kalkulierte Fehleinschätzung bluten.
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