Bund der Steuerzahler NRW - Geschönte Kosten bei der Wehrhahnlinie

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09.11.2011

Geschönte Kosten bei der Wehrhahnlinie

Ein typischer Fall von offensichtlicher Fehlkalkulation.


(Foto: BdSt NRW)
Die geplanten Baukosen für die neue U-Bahnlinie quer durch Düsseldorf in Höhe von 650,5 Millionen Euro werden mindestens um 100 Millionen Euro überschritten. Der Grund: Bei der Kalkulation hat man nicht bedachte, dass es bei den Erdarbeiten zu Schwierigkeiten mit Leitungen kommen könnte und Personalkosten wurden teilweise einfach nicht einberechnet. Für den Bund der Steuerzahler ein klarer Fall Baukostenexplosion durch geschönte Kosten und fehlerhafte Kalkulation.

Düsseldorf. Wenn die öffentliche Hand - egal ob Bund, Land oder Kommune - baut, dann wird es in aller Regel teurer als ursprünglich kalkuliert. Das gilt auch für die Wehrhahnlinie, die seit Ende 2007 quer durch Düsseldorf gebaut wird. 2014 soll die 3,4 Kilometer lange U-Bahn-Strecke mit acht Bahnhöfen fertig gestellt sein und dann werktags 53.100 Menschen durch die Landeshauptstadt transportieren. Geplante und vom Rat beschlossene Kosten: 650,5 Millionen Euro.

Im Juli 2011 musste der Stadtrat jedoch zustimmen, dass die Baukosten auf 748,1 Millionen Euro angehoben werden. Eine Steigerung um fast 100 Millionen Euro, womit es sich um eine Baukostenexplosion in ganz erheblichen Umfang handelt.

Keine nachvollziehbaren Gründe für Kostensteigerung
Gefragt, wie es dazu kommen konnte, erklärt die Stadt, dass man zum einen bei den umfangreichen Erdbauarbeiten auf unerwartete Hindernisse gestoßen sei. So lagen Gas-, Entwässerungs-, Strom- und Wasserleitungen teilweise nicht wie in den Plänen verzeichnet, und man stieß auf einen massiven Betonbalken, der beseitigt werden musste. Zum anderen hätten Personalkosten von fast 40 Millionen Euro erst jetzt dem Bau der Wehrhahnlinie zugeordnet werden können, da zuvor unklar war, ob man bestimmte Planungsaufgaben an externe Büros vergibt oder durch eine Aufstockung des eigenen Personals selbst auffängt.

Ist die Baukostensteigerung damit einfach Pech für den Steuerzahler? Nein, meint der BdSt NRW. Vielmehr handelt es sich um eine klare Fehlkalkulation bei den Bauarbeiten beziehungsweise bei den Kosten die dafür entstehen. Denn: Es ist nicht das erste Mal, dass die Stadt umfangreiche Erdarbeiten durchführt - schließlich gibt es schon mehrere U-Bahnlinie in Düsseldorf und es wurden auch schon mehrere Tunnel gebaut. Die Erfahrung, dass Leitungen nicht exakt dort liegen, wo es die Pläne verzeichnen, dürfte die Stadt also mehr als einmal gemacht haben. Es war folglich auch bei diesem Bau damit zu rechnen und dementsprechend hätten Hindernisse bei den Bauarbeiten und bei der Baukosten einkalkuliert werden müssen.

Gleiches gilt für die Personalkosten. Denn egal, ob ein externes Büro bestimmte Aufgaben übernimmt oder das eigene Personal dazu aufgestockt wird: Klar ist, dass zusätzliche Kosten entstehen werden und die hätten man berücksichtigen müssen. Dass dies nicht passiert ist, weckt - wie so oft bei öffentlichen Bauten - den Eindruck, dass man bei der Bauplanung „Schaufenster-Preise“ vorlegt, damit sich die Bürger und die Politik auf das Projekt einlassen. Ist der Baubeginn dann einmal erfolgt, tauchen auf einmal immer neue Kosten auf. Doch nun kann niemand mehr "aussteigen", der Steuerzahler muss zahlen.

Mangelnde Information kommt noch hinzu
Besonders ärgerlich in Düsseldorf ist aber nicht nur die immense Summe, sondern auch, dass man den Bürgern nur sehr zögerlich reinen Wein einschenkt. So informiert die Stadt auf ihrer Internetseite ausführlich über die Baufortschritte, die Bahnhöfe, den neuen Streckenplan und welche Vorteile die neue Linie den Düsseldorfern und den Touristen bringen wird. Doch bei den Baukosten ist auch Anfang November nach wie vor die Summe von 650,5 Millionen Euro zu lesen. Obwohl schon seit mehr als drei Monaten klar ist, dass es deutlich teurer wird. Transparenz bei der Planung und der Information sieht anders aus.
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