Bund der Steuerzahler NRW - Ganz Deutschland zahlt für Berliner Tunnelblick

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26.01.2011

Ganz Deutschland zahlt für Berliner Tunnelblick

Um eine freie Sichtachse zu erhalten, griff die Bundestagsverwaltung zu einer teuren Alternative.


(Foto: Fotolia)
Zwei Verwaltungsgebäude des Bundestages, die in der Wilhelmstraße in Berlin-Mitte liegen, sollen miteinander verbunden werden, damit die Abgeordneten und Mitarbeiter bei Wind und Wetter trockenen Fußes in das jeweils andere Gebäude gelangen. Eine überdachte Brücke quer über die Wilhelmstraße wäre das einfachste gewesen, doch diese Alternative lehnte der Berliner Senat ab. Sie würde die Sichtachse stören, hieß es. Jetzt hat die Bundestagsverwaltung einen Tunnel in Auftrag gegeben. Für 7,5 Millionen Euro.

Berlin. Wer in Berlin wohnt oder dort zu Besuch ist, der sollte in der Wilhelmstraße nicht nur den Reichstag bewundern, sondern dort angekommen ausgiebig genießen, dass er die Straße rauf und runter schauen kann, ohne dass etwas diese Sichtachse stört. Für diesen freien Blick haben die Steuerzahler der ganzen Republik nämlich viel Geld gezahlt, daher sollte er auch entsprechend gewürdigt werden. Ob sich diese Ausgabe tatsächlich lohnt, mag dann jeder selbst entscheiden. Ein paar Fakten sollten bei dieser Bewertung aber nicht vergessen werden:

In der Wilhelmstraße gibt es gleich mehrere Bundestagsverwaltungsgebäude. Eins davon wird gerade saniert, um mehr Raum für Abgeordnete und Mitarbeiter zu schaffen. Ein weiteres, das Jakob-Kaiser-Haus, steht genau gegenüber auf der anderen Straßenseite. Damit nun die Abgeordneten, Mitarbeiter und sämtliche Akten stets trocken und warm von dem einen zum anderen Gebäude gelangen, wurde eine Verbindung zwischen den Gebäuden geplant. Ein erster Vorschlag: In luftiger Höhe sollte eine überdachte Brücke, wie es sie bereits zwischen zwei Gebäuden in der nahegelegenen Dorotheenstraße gibt, gebaut werden. Doch diese Lösung lehnte die Stadt Berlin in einer mündlichen Besprechung ab. Die Begründung: Die bis dahin „freie Sichtachse“ durch die Wilhelmstraße würde durch die Brücke gestört.

Manchem Bürger mag diese Argumentation nicht ausreichen, doch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung sah sich aufgrund dieser mündlichen Begründung dazu gezwungen, nun einen anderen Weg zwischen den Gebäuden zu schlagen – besser gesagt, zu graben. Denn damit die freie Sicht nicht gestört wird, wird es in acht Meter Tiefe einen 80 Meter langen Tunnel geben, der sage und schreibe 7,5 Millionen Euro kostet.
Grund für diese hohe Summe ist allerdings nicht nur, dass ein Tunnel in aller Regel teurer ist als eine Brücke. Zum einen gestalten sich die Bauarbeiten schwierig, da es unter der Wilhelmstraße zig Leitungen gibt, deren Lage und Bedeutung von 20 verschiedenen Versorgern bestimmt werden musste. Zum anderen haben sich die Planer des Tunnels für ein ziemlich luxuriöses Beleuchtungskonzept entschieden. Und nicht zuletzt soll der Tunnel mit künstlerischen Werken ausgestattet werden, was ebenfalls zu dem stolzen Preis von 94.000 Euro pro laufendem Meter führt.

Die Steuerzahler sollten also nicht nur die störungsfreie Sichtachse in der Wilhelmstraße genießen, sondern sich möglichst auch noch Zugang zu dem Tunnel verschaffen und dort Kunst und Beleuchtung bewundern. Vielleicht gelangt man dann ja zu der Ansicht, dass die Steuergelder gut angelegt wurden. Die meisten dürften sich den Blick aber nicht verstellen lassen und wie der Bund der Steuerzahler der Ansicht sein: Das ist Verschwendung pur.
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