Bund der Steuerzahler NRW - Ein Konzerthaus für Bochums Klagelieder

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03.03.2011

Ein Konzerthaus für Bochums Klagelieder

Land, EU und Spender finanzieren der Stadt das langersehnte Konzerthaus, der BdSt rät trotzdem ab.


(Foto: georgemuresan, Fotolia)
Bochum soll nun doch ein neues Konzerthaus bekommen. Dabei gibt es im Ruhrgebiet gleich mehrere solcher Häuser, die bereits hohe Summen öffentlicher Gelder verschlingen. Die Stadt Bochum setzt dagegen, dass sie für den Bau des neuen Konzerthauses nichts zahlen muss, da diese Kosten vom Land und der EU getragen werden. Doch die Betriebskosten müssen die Bochumer übernehmen - und das passt so gar nicht zum sonstigen Klagelied über die Finanzlage der Stadt.

Bochum Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich: Noch vor gut einem Jahr tönte auch aus Bochum das hohe Lied der Klage. Durch die Finanzkrise habe sich die Haushaltslage der Stadt so dramatisch verschlechtert, dass man Hilfe vom Land oder dem Bund brauche. Diese Töne sind nun erstmal verstummt und stattdessen Freudenrufe zu hören: Bochum bekommt nun doch ein eigenes Konzerthaus.

Bereits vor einigen Jahren hatte es dazu schon ausführliche Pläne gegeben. Doch aufgrund des Nothaushalts, in dem sich Bochum befindet, und der sehr hohen Schulden von mehr als 1,4 Milliarden Euro, wurden diese Pläne ad acta gelegt. An dieser finanziellen Lage hat sich bisher nichts geändert. Dennoch wurden die Pläne nun wieder hervorgeholt. Denn: Das Land und die EU haben überraschend Fördermittel in Höhe von rund sieben Millionen in Aussicht gestellt. Zusammen mit 14 Millionen Euro Spenden soll damit der Bau komplett finanziert werden. Die Stadt muss also – wenn beim Bau alles nach Plan verläuft – nicht einen Cent für ihr Konzerthaus zahlen. Was also hat der Bund der Steuerzahler NRW an diesem Projekt zu kritisieren, mag man sich fragen.

Dass nur an die Bau- nicht aber an die Folgekosten gedacht wird, lautet die Antwort. Denn für Pflege, Instandhaltung, Heizkosten und so weiter wird die Stadt aufkommen müssen. Bei einem Konzerthaus ist das nicht gerade eine kleine Summe. So hat beispielsweise die Stadt Dortmund in ihrem Haushaltsplan für den Betrieb des Konzerthauses an der Brückstraße im Jahr 2010 einen Zuschuss von mehr als fünf Millionen Euro angesetzt. Und das kann sich Bochum angesichts der hohen Schulden und des Nothaushalts und bei Kürzungen in unzähligen Bereichen schlicht nicht jährlich leisten.

Hinzu kommt die Befürchtung, dass sich die Baukosten, wie bei fast allen Bauten der öffentlichen Hand, nicht im anvisierten Rahmen halten werden. In diesem Fall wird voraussichtlich doch die Stadt Bochum einspringen müssen und dadurch ihre Finanzlage noch verschlimmern. Vermutlich ist es spätestens dann wieder zu hören: das hohe Lied der Klage. Immerhin kann es dann in einem Konzerthaus angestimmt werden.
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