Bund der Steuerzahler NRW - Dortmund: Ein Wachdienst für dieses Kunstwerk


27.07.2018

Dortmund: Ein Wachdienst für dieses Kunstwerk


(Foto: Dieter Menne)
Wenn ein Sprayer eine Wand in sein Herz geschlossen hat, dann kommt er immer wieder. Egal, ob es sich dabei um eine Mauer am Bahnhof oder um eine Wand aus Gabionen handelt. Das Problem kennt auch Dortmund. Seit das Flüsschen Schondelle im Frühjahr 2014 in ein offenes Bett umgeleitet und der renaturierten Emscher zugeführt wurde, ist die Gabionenwand an dieser Stelle ein beliebtes Ziel für illegale Graffiti-Kunst.

Um den „Schandfleck“ wieder zu einem tollen Blickfang für die Autofahrer auf der B 54 zu machen, entschied man sich für eine groß angelegte Pflanzaktion mit dornigen Pflanzen. So würde es vor den mit Steinen gefüllten Drahtkörben bald hübsch grünen, und die Dornen würden die Sprayer in Schach halten. So sah der Beschluss im Winter 2017 aus.

Doch dann verselbstständigten sich die Dinge: Ein Gestaltungswettbewerb wurde ausgerufen, und die Wand durften ausgewählte Dortmunder Künstler mit Motiven aus Natur, Pop-Art und Stadtleben bemalen. Das neu geschaffene Kunstwerk solle die Hemmschwelle fürs „erneute Beschmieren mit Graffiti“ erhöhen. Außerdem wurden 2.770 Brombeersträucher und 101 Stieleichen gepflanzt. Ein provisorischer Zaun wurde aufgestellt, um den Zutritt zu den noch zarten Pflanzen zu verhindern. Die Kosten für die Bepflanzung und die vorherige Entfernung der alten Graffitis beliefen sich auf 160.000 Euro. Die künstlerische Erneuerung kostete 125.000 Euro.

Und um die neu gestaltete Gabionenwand vor ungewollter Graffiti-Kunst zu schützen, beauftragte die Stadt einen Wachdienst: Damit „bis zur abschließenden Fertigstellung der Gabionenwände keine erneute Verunstaltung der Gabionenwände durch wilde Schmierereien erfolgen konnte“.

Sechs Wochen lang waren die Wächter rund um die Uhr im Einsatz. Am 18. Mai wurde der 24-Stunden-Wachdienst wieder abgezogen. Kostenpunkt für sechs Wochen Dauerüberwachung an der Gabionenwand in Dortmund-Brünninghausen: 22.000 Euro. Die Stadt zeigt sich zufrieden: „Aus heutiger Sicht ist die Maßnahme als Erfolg zu bewerten, da die Wand nach wie vor unangetastet ist.“

Die Endabrechnung summierte sich auf 367.000 Euro – und das Geschrei war groß, denn die zusätzlichen Ausgaben für Zaun und die künstlerische Gestaltung waren so nie beschlossen worden. Beschluss und Durchführung klaffen weit auseinander.
Stellungnahme erwartet

In einer ersten Stellungnahme bezeichnet der Oberbürgermeister sie als „ergänzende Maßnahmen“ und „Weiterentwicklung der Planung“. Der vornehmlich bindige und zum Teil felsige Boden habe nur vergleichsweise geringe Pflanzgrößen der Brombeeren erlaubt. „Bei Verwendung größerer Pflanzen wäre ein Anwachsen mindestens eines Großteils der Pflanzen nicht gewährleistet gewesen.“ Man habe schnell gehandelt, um die Pflanzperiode bis Ende April 2018 erreichen zu können.


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