Bund der Steuerzahler NRW - Doch kein Lichtblick für die Krefelder Stadtkasse

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07.01.2013

Doch kein Lichtblick für die Krefelder Stadtkasse

Die Stadt macht nachts wieder die Laternen an und vergeudet so mehr als 200.000 Euro.


(Foto: sogmiller/Fotolia)
2010 beschlossen, 200.000 Euro investiert, im August 2012 eingeführt und gut einen Monat später wieder abgeschafft: Die Stadt Krefeld wollte mit der stundenweisen Nachtabschaltung der Straßenlaternen eigentlich Geld sparen, stattdessen wurde Geld vergeudet. Auf Grund von Bürgerprotesten wurde das Projekt schnell ad acta gelegt. Das Ganze hätte den Steuerzahlern erspart bleiben können, hätten sich die Verantwortlichen in Krefeld in ihren Nachbarstädten umgehört.

Krefeld. Ab Mitte August 2012 wurden in Krefeld nachts stundenweise die Straßenlaternen ausgeschaltet. 225.000 Euro Stromkosten wollte die Stadt so jährlich einsparen. Nach nur gut einem Monat kam das Aus für diese Sparmaßnahme: Nach Bürgerprotesten gegen die zweieinviertel Stunden Dunkelheit war die Stadt eingeknickt und knipst seither das Licht nachts wieder an. Die rund 200.000 Euro, die Krefeld zuvor investiert hatte, um die Nachtabschaltung möglich zu machen, sind weg. Hinzu kommen 10.000 Euro, um die Straßenbeleuchtungssteuerung wieder umzuprogrammieren. Dass nicht alle Bürger die Dunkelheit sonntags bis donnerstags zwischen viertel nach eins und halb vier gut heißen werden, hätte die Stadt Krefeld eigentlich vorher wissen können. Auch andere Kommunen schalten nachts die Straßenlaternen ab, obwohl dies nicht unumstritten ist, und zeigen dabei mehr Durchhaltevermögen als Krefeld.

Wo es auch dunkel geht
Rheine ist bereits seit 2005 nachts stundenweise finster. Nach anfänglichen Beschwerden der Bürger hätten sich nun alle daran gewöhnt. Seit dem Jahr 2006 gehen in Meerbusch nachts bei 90 Prozent aller Straßenlaternen stundenweise die Lichter aus. Ausnahmen gibt es an Feiertagen, zu Karneval, bei Volks- und Schützenfesten und zu Silvester. Die Einsparungen wachsen mit dem steigenden Strompreis. Kritik von Bürgern gab es sporadisch, größere Widerstände jedoch nicht. In Herford wurde die Nachtabschaltung im Oktober 2010 eingeführt. Dort wird mit Ausnahme beispielsweise von Hauptverkehrsstraßen, Unterführungen und des Innenstadtrings von Mitternacht bis fünf Uhr morgens das Licht ausgemacht. 163.000 Euro spart die Stadt nach eigenen Angaben jährlich. Auch in Herford gab es zunächst Proteste und Unterschriftensammlungen, mittlerweile gibt es aber keine Forderungen mehr, die Sparmaßnahme aufzuheben.

In Krefeld war die stundenweise Nachtabschaltung bereits 2010 beschlossen worden. Bis zur Umsetzung 2012 hatte die Stadt genug Zeit, um sich nach den Erfahrungen der bereits dunkelheitserprobten Kommunen zu erkundigen. Die Bürger lehnen die Nachtabschaltung wohl vor allem deshalb ab, weil sie befürchten, dass die Dunkelheit Überfälle, Einbrüche oder Unfälle begünstigt – egal, ob sie in einer kleinen oder großen Stadt leben. Doch alle Kommunen, die der Bund der Steuerzahler NRW zur Nachtabschaltung befragt hat, geben übereinstimmend an, dass ein Anstieg von Kriminaldelikten oder Unfällen während der Nachtabschaltung nicht festgestellt werden konnte.

Um die Nachtabschaltung der Straßenlaternen kostenneutral zu beenden, hätte Krefeld sie zumindest so lange weiterführen können, bis die Stromersparnis die Investition wieder wettgemacht hätte. So wie in Geilenkirchen, wo man ebenfalls 2012 die Nachtabschaltung einführte. Geplant war eine halbjährige Versuchsphase. Zunehmende Proteste aus der Bevölkerung führten jedoch dazu, den Test vorzeitig abzubrechen. Doch zum Zeitpunkt des Abbruchs hatte man in Geilenkirchen schon 23.000 Euro eingespart und die Investitionskosten von rund 15.600 Euro wieder raus.

Eine gemäßigte Variante der Nachtabschaltung gibt es in Salzkotten. Seit dem Frühjahr 2011 gehen dort nachts die Straßenlaternen für vier Stunden aus. Abgeschaltet wird jedoch nur in den Nebenstraßen und nur werktags. Am Wochenende, vor und an Feiertagen und bei besonderen Veranstaltungen bleibt die Straßenbeleuchtung an. Feuerwehren und Rettungsdienste haben die Möglichkeit, die Straßenbeleuchtung im Stadtgebiet oder in einem Ortsteil wieder anzuschalten. Im ersten Jahr konnten bereits 31.000 Euro gespart werden. In den nächsten Jahren erwartet man sogar 50.000 Euro Ersparnis jährlich. Bei den zurzeit stark steigenden Stromkosten wird der Effekt der Nachtabschaltung in den kommenden Jahren weiter positiv für den Haushalt Salzkottens ausfallen. Noch heute gibt es einen Anteil der Bevölkerung, der die Nachtabschaltung nicht befürwortet.

Neben dem städtischen Haushalt profitiert übrigens auch das Klima, wenn nachts stundenweise auf Licht verzichtet wird. In Kerpen, wo die Nachtabschaltung seit 2012 zwischen 23 Uhr und 5 Uhr morgens bei 450 Leuchten praktiziert und von den Bürgern akzeptiert wird, spart man 48 Tonnen Kohlendioxid jährlich. In Krefeld wird es nun weder einen Lichtblick im Stadtsäckel noch einen für die Umwelt geben. Dort klärt man nun, wie die fehlgeschlagene Einsparmaßnahme kompensiert werden kann.
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