Bund der Steuerzahler NRW - Die Wehrhahnlinie in Düsseldorf wird noch mal teurer


20.12.2012

Die Wehrhahnlinie in Düsseldorf wird noch mal teurer

Kosten für U-Bahnbau werden nun mit 782 Millionen Euro veranschlagt – ursprünglich waren es 650 Millionen Euro.


(Foto: BdSt NRW)
Die Rechnung bitte! 782 Millionen Euro soll mittlerweile der Bau der neuen U-Bahnstrecke in Düsseldorf kosten. Zu Beginn des Projektes ging man noch von Kosten in Höhe von 650 Millionen Euro aus – somit kostet das Projekt mittlerweile den Steuerzahler insgesamt 132 Millionen Euro mehr. Nun wird auch noch der verkehrliche Nutzen des Projektes infrage gestellt. Laut Lokalpresse soll bei der Kosten-Nutzen-Rechnung getrickst worden sein.

Düsseldorf. Auf der Homepage der Stadt Düsseldorf kann man sich umfassend über die neue U-Bahnstrecke, die so genannte Wehrhahnlinie, informieren. Zwei Haltepunkte und sechs U-Bahnhöfe sollen ab 2014 eine neue Visitenkarte der Landeshauptstadt werden, zum „Verweilen einladen und eine belebte, unterirdische Parallelwelt bilden“. Die Baukosten werden auf der Internetseite immer noch mit 650 Millionen Euro angegeben. Doch das war einmal.

Bereits 2011 hatte der Bund der Steuerzahler NRW gerügt, dass die Baukosten auf 748 Millionen Euro gestiegen waren (Geschönte Kosten bei der Wehrhahnlinie). Jetzt sind sie bei 782 Millionen Euro angelangt. Die Wehrhahnlinie wird also noch mal rund 34 Millionen Euro teurer. Als Hauptgrund nennt die Stadt Preisgleitung in den Verträgen mit ausführenden Unternehmen, was zur Folge hat, dass die Firmen höhere Personal- und Materialkosten nachträglich in Rechnung stellen können.

Weitere Gründe sind nach Angaben der Stadt Erschwernisse aus dem Baugrund, zusätzliche Sicherungsmaßnahmen und Umplanungen, weil man bei Bauarbeiten an der Kasernenstraße auf einen jüdischen Friedhof aus dem 17. Jahrhundert stieß. Nach jüdischem Glauben dürfen die dort aufgefundenen Gebeine nicht umgebettet werden. Der Friedhof musste bestmöglich geschont werden. Die Umplanungen hierfür kosteten nach Angaben der Stadt mehrere Millionen Euro. Doch warum war der Stadt die Lage des Friedhofs nicht bekannt? Die Trasse der Wehrhahnlinie verläuft durch denkmalgeschützte Gebiete, und die Bauarbeiten werden von Archäologen begleitet. Zudem soll der Friedhof auf alten Skizzen durchaus eingezeichnet gewesen sein.

Besonders dreist: Die Stadt führt nun Gespräche mit Land und Bund, um diese an den Mehrkosten beteiligen. Die Zuschüsse vom Land waren vor Beginn der Baumaßnahme auf rund 348 Millionen Euro gedeckelt worden.

Ob das teure U-Bahn-Projekt außer dem erhofften Glanz und Gloria auch einen bedeutenden verkehrlichen Nutzen für die Stadt bringt, ist zudem fraglich. Nach Darstellung der Lokalpresse soll bei der Kosten-Nutzen-Rechnung getrickst worden sein, denn die Düsseldorfer würden bei zwei wichtigen Linien ihre direkte Verbindung in die Altstadt verlieren. Doch dies sei in die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht eingeflossen. Fazit der Lokalpresse: „Eine breite politische Mehrheit aus CDU, SPD und FDP wollte die neue U-Bahn – koste es, was es wolle. Die Rechnung bekommen jetzt die Steuerzahler serviert. Dass eine solche Mogelpackung vor unser aller Augen möglich war, ist schlicht erschreckend.“
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