Bund der Steuerzahler NRW - Vergleich der Wassergebühren in NRW

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19.12.2017

Die Wassergebühren in NRW

BdSt NRW vergleicht erstmals Kosten fürs Frischwasser


(Foto: Pixabay)
2,79 Euro kostet ein Kubikmeter Frischwasser durchschnittlich in den größeren Städten in Nordrhein-Westfalen. Doch während die Bewohner eines Einfamilienhauses in Lippstadt 30 Prozent unterhalb dieses Durchschnitts liegen, zahlen die Bewohner eines Einfamilienhauses in Essen 29 Prozent mehr. Das hat der Bund der Steuerzahler (BdSt) NRW bei einem Vergleich der Frischwasserkosten in Städten mit mehr als 60.000 Einwohnern festgestellt, den er im Dezember 2017 erstmalig vorgenommen hat.

Düsseldorf. Bei den Entgelten für Frischwasser muss man unterscheiden zwischen einer Gebühr und einem Preis. Während öffentlich-rechtliche Wasserversorger (z.B. kommunale Eigen- oder Regiebetriebe) eine Gebühr erheben, stellen privatrechtlich strukturierte Unternehmen (z.B. GmbHs, AGs) einen Preis in Rechnung. So bezahlen die Bürger in Mülheim an der Ruhr einen Preis für ihr Wasser, in Solingen bezahlen sie eine Gebühr. Die meisten Städte erheben ein Grundentgelt, das sich an der Leistung des Wasserzählers orientiert, und ein Verbrauchentgelt pro Kubikmeter Frischwasser.

Andere Städte erheben einen so genannten Systempreis.

Der Systempreis setzt sich zusammen aus einem Verbrauchspreis pro Kubikmeter und einer Art Grundpreis, der sich nach der Zahl der Wohneinheiten richtet, die über eine Hausanschlussleitung mit Trinkwasser versorgt werden und einen Wasserzähler haben. Die Stadt Solingen ist die einzige der untersuchten Städte, die ausschließlich eine – überdurchschnittlich hohe – Verbrauchsgebühr berechnet, keine Grundgebühr.

Der BdSt-Vergleich betrachtet die Entgelte für Häuser mit einem so genannten Qn 2,5 m³/h Zähler (neue Bezeichnung Q3 = 4 m³/h) und unterscheidet dabei zwischen Einfamilienhäusern und Vierfamilienhäusern. Der Verbrauch je Wohneinheit wird mit 132 m³ Wasser pro Wohneinheit und Jahr angesetzt, das entspricht dem durchschnittlichen Verbrauch eines Haushalts. Bei Mehrfamilienhäusern werden ausschließlich Häuser betrachtet, die nur über einen Zähler verfügen und bei denen der Versorger die Kosten nicht anteilig abrechnet. Das entspricht dem Standard.

Große Unterschiede

Zutage kommen große Unterschiede und zwar sowohl zwischen den Kommunen als auch zwischen den Kosten für Einfamilienhäuser und Mehrfamilienhäuser. Bei letzteren macht sich der Grund- oder Systempreis bemerkbar, denn es ist ein großer Unterschied, ob der Hauszähler von einer Partei oder von mehreren Parteien zu bezahlen ist. Für das Einfamilienhaus fallen so direkt höhere Kosten an. In Kommunen mit hohen Grundentgelten fällt der Unterschied deshalb besonders groß aus. So bezahlt der Haushalt in einem Einfamilienhaus in Arnsberg einen Grundpreis in Höhe von 222,72 Euro brutto, in einem Vierfamilienhaus je Wohneinheit ein Viertel, also 55,68 Euro brutto. Die Folge ist, dass der Haushalt eines Einfamilienhauses pro Kubikmeter Frischwasser 2,96 Euro brutto bezahlt, während in einem Vierfamilienhaus nur 1,69 Euro brutto zu bezahlen ist.

Nur in Wesel wird ein Bereitstellungspreis in Höhe von 86,16 Euro brutto jährlich erhoben, unabhängig von der Zahl der Wohnungen eines Hauses.
In Solingen bezahlen die Bewohner keine Grundgebühr, sondern eine Verbrauchsgebühr in Höhe von 2,91 Euro pro Kubikmeter Frischwasser. Die Berechnung der Frischwassergebühr allein über den Verbrauch hat zur Folge, dass Frischwasser dort für Haushalte in Vierfamilienhäusern 41 Prozent teurer ist als der Durchschnitt der untersuchten Städte (2,07 Euro). Damit liegt die Klingenstadt an der Spitze. Kräftig langen hier aber auch die Nachbarstädte Remscheid (plus 34 Prozent) und Wuppertal (plus 31 Prozent) zu.

Besonders teuer, besonders günstig ist das Wasser hier

Für Einfamilienhäuser ist es besonders teuer in Essen (plus 29 Prozent), Hagen (plus 25 Prozent), Remscheid (plus 24 Prozent) und Dortmund (plus 23 Prozent).

Am preiswertesten duscht man in Lippstadt. Haushalte in Vierfamilienhäusern bezahlen 38 Prozent, Haushalte in Einfamilienhäusern 30 Prozent unter dem Durchschnitt. Der Grund liegt im moderaten Verbrauchspreis in Höhe von einem Euro je Kubikmeter Wasser. Beim Einfamilienhaus ist auch Detmold hervorzuheben, dessen Bewohner 29 Prozent weniger bezahlen als der Durchschnitt.

Wer bringt das Wasser zum Verbraucher?


In Nordrhein-Westfalen wird die Aufgabe der Wasserversorgung weitestgehend auf Stadtwerke oder andere Unternehmen übertragen. Stadtwerke sind allerdings nur noch in seltenen Fällen im 100prozentigen Eigentum einer Stadt, das ist z.B. noch in Lippstadt, Münster oder Hamm der Fall.

In vielen Fällen halten Investoren wie z.B. andere Städte, Stadtwerke oder Unternehmen wie innogy große Anteile. innogy ist im Wesentlichen ein börsennotiertes Unternehmen, hinter dem institutionelle Anleger zum Teil aus aller Welt stehen. Ohne Zweifel sind deren Gewinnerwartungen vom Wasserverbraucher zu bezahlen.

Exemplarisch weisen wir auf das im vorliegenden Preisvergleich teuerste Unternehmen, die Stadtwerke Essen, hin. Diese gehören zu 51 Prozent mittelbar der Stadt Essen, zu 29 Prozent innogy und zu 20 Prozent der Thüga AG mit Sitz in München, einem Geflecht aus diversen Stadtwerken, Energieversorgern oder anderen Unternehmen aus nahezu ganz Deutschland.

Das meint der BdSt NRW:
Die Kalkulation der Wasserpreise ist völlig intransparent. Handelt es sich um Marktpreise oder Selbstkostenpreise? Hier sind auch die Behörden bzw. die staatliche Preisaufsicht gefragt.

Hier können Sie sich die Tabellen herunterladen:
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