Bund der Steuerzahler NRW - Der So-da-Zaun von Hagen

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06.06.2012

Der So-da-Zaun von Hagen

15.000 Euro teurer Graffiti-Schutz erweist sich als völlig sinnlos – und keiner will es gewesen sein.


(Foto: Michael Kleinrensing/Westfalenpost Hagen)
Es gibt Geschichten, die sind so absurd, dass man sie sich gar nicht ausdenken kann. Da wird in der Stadt Hagen an einem Gymnasium ein Zaun für knapp 15.000 Euro als Graffiti-Schutz errichtet. Leider wird bei der Planung aber die Hauptaufgabe eines Zauns – nämlich, dass er zwei Bereiche voneinander abgrenzen soll – vergessen. Dann stand er einfach nur so da – hässlich und sinnlos. Als sei es nicht schon traurig genug, dass so gedankenlos Steuergelder verschwendet werden, setzt die Stadt dem Ganzen auch noch die Krone auf. Denn ein Verantwortlicher für die Misere ist nicht ausfindig machen.

Hagen. Bislang kannte man nur So-da-Brücken. Das sind Bauwerke, die einfach nur so da stehen und keinen verkehrlichen Nutzen haben. Die Stadt Hagen machte nun vor, dass auch ein Zaun nur so da stehen kann. Das Kuriose daran: Der Zaun ist nicht nur sinnlos, offenbar ist auch niemand für ihn verantwortlich.

Errichtet wurde der Hagener So-da-Zaun vor dem Theodor-Heuss-Gymnasium im Oktober 2011. Zu diesem Zeitpunkt war die Fassade der Schule saniert worden, die mit dem knapp 15.000 Euro teuren Zaun vor Schmierereien geschützt werden sollte. In der Vergangenheit waren solche Vandalismusdelikte wohl häufiger vorgekommen. Doch als der 120 Meter lange und gut zwei Meter hohe Zaun dann stand, fand man ihn hässlich und sinnlos. Er war nämlich nur vor der Frontseite der Schule aufgestellt worden. Von allen anderen Seiten konnten ungebetene Gäste weiterhin mit Leichtigkeit an das Gebäude herankommen. Zudem wurde am oberen Ende des Zauns eine Lücke offen gelassen, durch die jedermann ungehindert spazieren konnte.

Ein Verantwortlicher für diesen Schildbürgerstreich ließ sich nach Darstellung der lokalen Presse nicht finden. Als der exakte Verlauf des Zauns abgesprochen wurde, soll ein Ex-Schulleiter dabei gewesen sein. Er bestreitet jedoch, jemals seine Zustimmung zu dem Zaun gegeben zu haben. Auch die Stadt vermied es auf Anfrage des Bundes der Steuerzahler NRW, Ross und Reiter zu nennen. Der Zaun sei auf Veranlassung der Projektbeteiligten errichtet worden, so die schwammige Antwort aus Hagen.

Schüler, Lehrer und Eltern waren sich jedenfalls schnell einig: Der Zaun muss wieder weg. Und so wurde er auf Wunsch der neuen Schulleitung und des Schuldezernenten für mehr als 5.000 Euro wieder demontiert. Nun soll der Zaun im städtischen Tierheim eine zweite Chance und eine echte Aufgabe bekommen.
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