Bund der Steuerzahler NRW - Böses Erwachen auf romantischer Burg

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20.09.2011

Böses Erwachen auf romantischer Burg

Umbaukosten an Burg Wissem stiegen von 3 auf 9 Millionen Euro, von Kostenexplosion will man aber nicht reden.


(Foto: BdSt NRW)
Mit Burg Wissem bei Troisdorf ist offenbar wieder einmal ein Vorzeigeprojekt schöngerechnet worden. Hier sollten mit der Regionale 2010 ein Museum für Industriegeschichte, ein „Tor zur Wahner Heide“ und eine Umwelt-Bildungswerkstatt entstehen. Im Dezember 2007 ging der Troisdorfer Rat noch von 3 Millionen Euro Gesamtbaukosten aus. Drei Jahre später waren es schon 6 Millionen Euro – mittlerweile sollen die Kosten sich auf 9 Millionen belaufen. Die Stadt Troisdorf möchte allerdings nicht von einer Kostensteigerung sprechen. Ihre Erklärung: In dem Architektenwettbewerb, der die Umbaukosten auf 2,5 Millionen Euro begrenzte, seien nicht alle Arbeiten ausgeschrieben gewesen.

Troisdorf. Auf Burg Wissem bei Troisdorf wird derzeit viel gebaut. Im Rahmen der Regionale 2010 soll dort ein Museum für Industriegeschichte, ein „Tor zur Wahner Heide“ und eine Umwelt-Bildungswerkstatt entstehen. Inzwischen laufen die Kosten für das ehrgeizige Vorhaben allerdings aus dem Ruder. Offenbar ist wieder einmal ein Vorzeigeprojekt schöngerechnet worden. Im Dezember 2007 ging der Troisdorfer Rat noch von drei Millionen Euro Gesamtbaukostenaus aus. Obwohl ein Architektenwettbewerb mit Kostenlimit durchgeführt wurde, stiegen die Kosten im letzten Jahr auf mehr als sechs Millionen Euro. Jetzt sind sogar neun Millionen Euro im Gespräch.

Der Bund der Steuerzahler wollte wissen, wie es zu der Kostenexplosion kam. Doch von einer Kostenexplosion will die Stadt Troisdorf nicht sprechen. Der Wettbewerb, der die Umbaukosten auf 2,5 Millionen Euro brutto begrenzte, habe lediglich die Kosten für Herrichten und Erschließen der Baustelle (ohne Abbruchkosten Dach), die Bauwerk und Baukonstruktion (ohne Keller), die Technischen Anlagen (ohne Photovoltaik) und Außenanlagen enthalten. Weitere Kosten wie die Baunebenkosten, die Kosten des Architekturwettbewerbs und der Vorplanungen, die Kosten für Photovoltaik, Umbauten in der Remise, behindertengerechter Ausbau des Herrenhauses, Öffentlichkeitsarbeit, Umzugs- und Zwischenunterbringungskosten, Einrichtungskosten, Rückzahlung von Fördermitteln für eine bisher auf dem Gelände befindliche KiTa, Abschreibungen und anderes seien zwar mit politischem Beschluss legitimiert, in den Wettbewerbsvorgaben aber nicht enthalten gewesen.

Zudem habe auch das Konjunkturpaket II Schuld an den Mehrkosten, so die Stadt. Denn wegen der guten Auftragslage seien die Preise der Baufirmen höher gewesen als gedacht. Weiter mussten nach dem harten Winter für rund 210.000 Euro Feuchtigkeitsschäden beseitigt werden. Addiert man alle Positionen zusammen, dann bläht sich das Kostenvolumen für das Vorzeigeprojekt auf gut neun Millionen Euro auf. Womit das Vorhaben dreimal so teuer ist, wie ursprünglich angekündigt. Denn in einer Presseerklärung der Stadt vom 10. Juni 2008 hieß es noch, rund 2,5 Millionen Euro würden in die historische Anlage investiert. Dass es deutlich mehr wird, teilte man den Bürgern dann auch lieber nur häppchenweise mit: Zum Baubeginn im Juli 2009 erklärt die Stadt wieder in einer Pressemitteilung, dass die Gesamtkosten bei rund 6,2 Millionen Euro liegen. Und erst jetzt redet man von den neun Millionen Euro.

Land soll Mehrkosten zahlen
Dabei haben sich einige Kosten sogar mehr als verdreifacht. Die Außenanlage wird beispielsweise gleich fünfmal so teuer wie geplant. Hierfür waren ursprünglich maximal 100.000 Euro eingeplant. Jetzt kosten die Außenanlagen rund 489.000 Euro. Doppelt so teuer wie im Wettbewerb veranschlagt sind übrigens auch die Kosten für Bauwerk und Konstruktion, Erschließung und technische Anlagen ohne Photovoltaik. Statt 2,5 Millionen Euro werden hierfür jetzt 5,6 Millionen Euro kalkuliert.

Jeder private Bauherr, der so schlecht rechnet, wäre schnell pleite. Die Stadt Troisdorf macht es anders: Sie stellt einfach einen Kostenerhöhungsantrag beim Land und bittet um Beteiligung an den Mehrkosten. Und dann gibt es ja noch die Fördertöpfe der Regionale, die mit hohen Zuschüssen locken. So rechnet man teilweise sogar mit hundertprozentiger Finanzierung, beispielsweise der Außenanlagen, Photovoltaik oder Remise. Wenn solche lukrativen Fördertöpfe zur Verfügung stehen, ist es schließlich nicht mehr so wichtig, ob der Umbau ein paar Millionen mehr oder weniger kostet. Am Ende zahlt die Stadt Troisdorf gut fünf Millionen Euro selbst, den Rest finanziert das Land, aber in jedem Fall der Steuerzahler.
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