Bund der Steuerzahler NRW - Bahnhof Werdohl: billige Planung, teure Wirklichkeit


02.09.2013

Bahnhof Werdohl: billige Planung, teure Wirklichkeit

Sanierung des Bahnhofs in Werdohl wird teurer, die Gründe dafür sind vielfältig – und typisch.


(Foto: PhotoSG, Fotolia)
Die Stadt Werdohl hat bei der Planung und Durchführung der Sanierung und des Umbaus des Bahnhofs ein Paradebeispiel dafür geliefert, wie man es nicht machen sollte. Der Plan lautete, Stadtarchiv, Stadtmuseum, Tourist-Info, Gastronomie, Kunstwerkstatt KUBA und Kulturform in das umgebaute Gebäude unterzubringen. Geschätzte Kosten knapp zwei Millionen Euro. Inzwischen geht die Stadt von fast drei Millionen Euro aus. Eine Steigerung, die zumindest zu einem Teil selbstverschuldet ist.

Werdohl. Ein Bauprojekt kostengünstig oder "schön" rechnen, geht so: Man lasse bei der Kostenschätzung die Denkmalschutzauflagen, gesetzlich geforderte Barrierefreiheit, Brandmeldeeinrichtungen und den Restaurierungs und Modernisierungsaufwand für Nebengebäude und Außenanlagen einfach außer Acht. Schon kommt man auf geschätzte Baukosten, die für alle Beteiligten akzeptabel sind. Dann geht der Bau los und dann kommen die wahren Kosten auf den Tisch. So geschehen in Werdohl. Knapp 1,8 Millionen Euro sollte nach dieser "Schönrechnung" im Jahr 2007 der Umbau des Bahnhofes kosten. Sechs Jahre später, alle Kosten liegen nun auf dem Tisch, geht man von rund drei Millionen Euro aus.

Nutzungskonzept geändert
Schuld allein an der Baukostensteigerung war aber nicht nur die geschönte Kostenrechnung. Hinzu kam auch, dass 2010 das Nutzungskonzept nochmals geändert wurde. Stadtmuseum und Stadtarchiv sollten jetzt im Bauteil A statt wie ursprünglich geplant im Hauptgebäude untergebracht werden. Erst jetzt wurde die Denkmalbehörde eingeschaltet, und es wurden barrierefreie Zugänge geplant.

Weiter sorgte die neue Energieeinsparverordnung für höhere Baukosten und der Baupreisindex stieg sowohl 2011 an - weshalb die Baukosten damals auf 2,4 Millionen Euro korrigiert wurden - als auch 2012, was zu einer neuerlichen Korrektur nach oben führte. Während der Bauarbeiten stellte sich dann auch noch heraus, dass die Bausubstanz schlechter war als vom Gutachter eingeschätzt. Und auch das Fassaden- und Schutzgerüst auf der Gebäudeseite „Gleisanlage“ erforderte nach den Vorgaben der Deutschen Bahn einen zusätzlichen Kostenaufwand. Aktuell rechnet man deshalb mit den genannten knapp drei Millionen Euro Gesamtkosten. Zwanzig bis dreißig Prozent muss die Stadt aus eigener Tasche zahlen, den Rest übernimmt das Land.

Trauriges Paradebeispiel
Wie ist diese Entwicklung nun zu bewerten? Alles in allem ist das Projekt „Bahnhofsumbau“ mehr als dumm gelaufen. Dass Baumängel erst nachträglich erkannt werden, oder die Substanz schlechter ist als erwartet, dafür ist weder die Verwaltung noch die Politik verantwortlich. Dennoch müssen sich beide den Vorwurf gefallen lassen, für die viel höheren Baukosten als geplant mitverantwortlich zu sein. Denn für jeden Bauherrn, auch für die der öffentlichen Hand muss es eine Selbstverständlichkeit sein, dass sämtliche Kosten vor Baubeginn sorgfältig und vor allem vollständig ermittelt und aufgelistet werden. Weiter sollte auch das Nutzungskonzept vor Baubeginn fertig und von allen Gremien abgesegnet sein. Denn Änderungen in der Bauphase führen immer zu weit höheren Kosten. Und nicht zuletzt sollte es sich in allen Kommunen längst herumgesprochen haben, dass der Baukostenindex alle paar Jahre steigt. Wenn also absehbar ist, dass von der Planung bis zum Bau voraussichtlich mehrere Jahre vergehen, dann sollte es klar sein, dass eine Preissteigerung bei den Handwerkerkosten mit einbezogen werden muss.

All das ist in Werdohl nicht passiert. Das ist für Werdohl ärgerlich. Traurig daran ist aber, dass dieser Fall ein Paradebeispiel dafür ist, wie Kommunen und Land in unendlich vielen Bauprojekten vorgeht. Immerhin hat die Stadt aber einen mutigen Schritt gemacht: Statt die Mehrkosten durch höhere Gebühren an anderer Stelle u kompensieren, will sie auf andere Projekte aus dem Stadtumbauprogramm West verzichten.
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