Bund der Steuerzahler NRW - So gibt es kein Abfärben


28.07.2015

So gibt es kein Abfärben

BFH setzt Grenzen, wann die Abfärberegelung im Steuerrecht nicht zum Tragen kommt.


(Foto: Phillippe Devanne, Fotolia)
Rote und weiße Wäsche in der Waschmaschine führt zu rosa Wäsche - so könnte die Abfärberegelung der Hausfrau lauten. Im Steuerreicht besagt diese Regel hingegen: Wenn Freiberufler auch gewerbliche Tätigkeiten ausüben, dann muss unter Umständen nicht nur für die gewerblichen, sondern auch für die freiberuflichen Einkünfte Gewerbesteuer gezahlt werden. Nun hat das Bundesfinanzgericht festgelegt, ab wann das der Fall ist. Es gibt aber auch eine ganz andere Möglichkeit, die Abfärberegelung generell umgangen werden kann. So dass „die weiße Wäsche“ beziehungsweise die freiberuflichen Einkünfte grundsätzlich weiß – also gewerbesteuerfrei – bleibt

München. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat ein Urteil zur sogenannten Abfärberegelung gefällt. Eine freiberufliche Gesellschaft muss für die freiberufliche Tätigkeit keine „abfärbende“ Gewerbesteuer zahlen, wenn die Nettoumsätze aus der gewerblichen Tätigkeit nicht drei Prozent der Gesamtumsätze und insgesamt nicht 24.500 Euro pro Jahr übersteigen.

Geklagt hatte eine Anwaltskanzlei, deren Rechtsanwälte unter anderem auch als Insolvenzverwalter tätig waren. Diese Tätigkeit als Insolvenzverwalter gilt als gewerbliche Tätigkeit für die entsprechend gewerbliche Einkünfte erzielt werden. Diese sind wiederrum gewerbesteuerpflichtig – im Gegensatz zu der freiberuflichen Tätigkeit als Rechtsanwalt, die nicht der Gewerbesteuer unterliegen. Gemäß der Abfärberegelung hatten laut Finanzamt nun aber die gewerblichen Einkünfte auf die freiberuflichen „abgefärbt“. Sprich: Das Finanzamt wollte nun auch für die freiberuflichen Einkünfte Gewerbesteuer einziehen.

Wann diese „Abfärberegelung“ zur Geltung kommt, war bisher nur schwer abzugrenzen. Nun hat der Bundesfinanzhof mit seinem Urteil vom 27. August 2014 durch die darin enthaltene „typisierende Betrachtungsweise“ Klarheit gebracht. Der BFH führte weiterhin aus, dass bei einem freiberuflichen Einzelunternehmer klar getrennt werden könne, ob Einkünfte gewerblich oder freiberuflich seien. So dass hier die Abfärberegelung nicht zum Tragen kommt. Bei Personengesellschaften sei dies nur schwer möglich. Dies führe jedoch zu einer Ungleichbehandlung, die nun für den Fall einer äußerst geringen gewerblichen Tätigkeit einer Personengesellschaft ausgeräumt wurde.

Freiberufliche Gesellschaften können die Abfärbewirkung aber auch bei umfangreicherer gewerblicher Tätigkeit umgehen. Dazu müssen sie lediglich eine zweite Personengesellschaft grünen. Ein Beispiel: Zahnarzt Müller verkauft auch Zahnersatz. Das ist eine gewerbliche Tätigkeit. Gründet er nun die Zahnersatz Müller GmbH, kann er so viel Zahnersatz verkaufen, wie er möchte, ohne dass er für seine Tätigkeit als Zahnarzt Gewerbesteuer zahlen muss.
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