Bund der Steuerzahler NRW - Künstlerischer Anspruch gefragt


29.03.2016

Künstlerischer Anspruch gefragt

BFH: ermäßigter Steuersatz bei Hochzeits- und Trauerreden


(Foto: mdennah/fotolia)
Hochzeits- und Trauerredner können unter bestimmten Voraussetzungen den ermäßigten Steuersatz als ausübende Künstler in Anspruch nehmen, wie der Bundesfinanzhof (BFH) mit Urteil vom 3. Dezember 2015 entschieden hat (Az. V R 61/14).

München. Hochzeits-, Geburtstags-, Trennungs- und Trauerreden – dafür machte der Kläger den ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent geltend. Denn der ermäßigte Steuersatz erfasst neben dem Eintritt für Theater, Konzerte und Museen auch die den Theatervorführungen und Konzerten vergleichbaren Darbietungen ausübender Künstler (§ 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a Umsatzsteuergesetz). Finanzamt und Finanzgericht gingen jedoch davon aus, dass der Regelsteuersatz in Höhe von 19 Prozent gelten müsse.

Demgegenüber hält der BFH die Anwendung des ermäßigten Steuersatzes für möglich. Nach seinem Urteil kommt es für die Steuerbegünstigung der Darbietungen ausübender Künstler nicht auf die Art der Vergütung an. Sie muss entgegen dem Urteil des Finanzgerichts nicht in einer von einem Zuhörer oder Zuschauer gezahlten Eintrittsberechtigung bestehen, sondern liegt auch bei einer Vergütung durch den Veranstalter des Ereignisses, wie etwa dem Hochzeitspaar bei einer Hochzeit, vor.

Entscheidende Bedeutung misst der BFH dem Begriff des „ausübenden Künstlers“ bei. Für die Darbietungen des Trauer- oder Hochzeitsredners müssen eigenschöpferische Leistungen prägend sein. Schablonenartige Redetätigkeiten sind nicht begünstigt. Da das Finanzgericht hierzu keine Feststellungen getroffen hatte, hob der BFH dessen Urteil auf und verwies die Sache zur weiteren Sachaufklärung an das Finanzgericht zurück.

Bundesfinanzhof, Urteil vom 3. Dezember 2015, Az. V R 61/14
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