Bund der Steuerzahler NRW - Kosten für Abschiedsfeier abzugsfähig


26.08.2015

Kosten für Abschiedsfeier abzugsfähig

Urteil: Wer den Arbeitgeberwechsel feiert, kann die Kosten als Werbungskosten geltend machen.


(Foto: contrastwerkstatt)
Das Finanzgericht Münster hat entschieden: Wer seinen Abschied von seinem bisherigen Arbeitgeber feiert, weil er den Arbeitgeber wechselt, kann die Aufwendungen für diese Feier von der Steuer absetzten. Voraussetzung ist dafür aber unter anderem, dass die Gäste überwiegend aus dem beruflichen Umfeld stammen und der Arbeitgeber in die Organisation der Veranstaltung eingebunden war. Bei einer Feier zum Geburtstag oder einem Dienstjubiläum spielt das keine Rolle, sie gilt in jedem Fall als privater Anlass, so dass die Kosten für das Fest nicht als Werbungskosten geltend gemacht werden können.

Münster. Die Kosten für eine Abschiedsfeier, die ein Arbeitnehmer anlässlich eines Arbeitgeberwechsels veranstaltet, können unter bestimmten Voraussetzungen als Werbungskosten steuerlich geltend gemacht werden. Das hat das Finanzgericht Münster entschieden mit Urteil vom 29. Mai 2015 (Az. 4 K 3236/12 E).

Geklagt hatte ein leitender Angestellter eines Unternehmens, der aufgrund seines Wechsels an eine Fachhochschule zu einem Abschiedsessen in einem Restaurant eingeladen hatte. Die Gäste, Kollegen, Vorgesetzte, Kunden, Lieferanten, Geschäftspartner sowie Vertreter von Behörden, Verwaltung und Verbänden, stammten alle aus seinem beruflichen Umfeld. Die Kosten für die Feier machte er später in seiner Steuererklärung als Werbungskosten geltend. Das zuständige Finanzamt lehnte jedoch ab, mit der Begründung, dass die Kosten überwiegend privat veranlasst gewesen seien.

Dahinter steckt Folgendes: Damit Ausgaben als Werbungskosten in der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden können, muss ein Zusammenhang zwischen dem Einkommen und dem Aufwand, in diesem Fall der Feier, gegeben sein. Damit dieser sogenannte Veranlassungszusammenhang vorliegt, muss die Ausgabe objektiv mit der Tätigkeit, für die der Betroffene Lohn erhält, zusammenhängen und subjektiv zur Förderung dieser Tätigkeit beitragen. Das subjektive Element ist allerdings kein zwingendes Merkmal, während der objektive Zusammenhang bestehen muss. Ob dieser vorliegt, muss im Einzelfall entschieden werden. Feste anlässlich eines Geburtstags oder eines Dienstjubiläums werden allerdings grundsätzlich der privaten Sphäre des Arbeitsnehmers zugeschrieben, so dass deren Kosten nicht als Werbungskosten geltend gemacht werden können. Anders sieht es bei einer Feier zur Verabschiedung in den Ruhestand aus. Als letzter Akt des aktiven Dienstes habe diese Feier ganz überwiegend beruflichen Charakter und ist damit steuerlich abzugsfähig. Ansonsten ist der Anlass einer Feier für die Beurteilung, ob ein Fest nun privater oder beruflicher Natur ist, nur ein Indiz. Darüber hinaus muss die Finanzverwaltung auch beachten, wer als Gastgeber auftritt, wer die Gästeliste zusammengestellt hat, wie sich die Zusammensetzung der Gäste aus dem beruflichen und privaten Umfeld gestaltet, welche Örtlichkeiten ausgesucht wurden und wie sich die Höhe der Kosten für die Feier im Vergleich zu ähnlichen betrieblichen Veranstaltungen verhält.

Aufgrund genau dieser Vorgaben widersprach das Finanzgericht nun dem Finanzamt und gab dem Kläger Recht. Der Anlass der Feier, der Arbeitgeberwechsel des Klägers, sei rein beruflicher Natur gewesen. Die Auswahl der Gäste deute ebenfalls auf eine berufliche Veranlassung hin. Außerdem habe der Kläger seinen bisherigen Arbeitgeber in die Organisation der Feier eingebunden, indem er die Gästeliste mit diesem abgestimmt und sein Sekretariat ihn bei den Anmeldungen unterstützt habe. Auch die Kosten der Feier von etwa 50 Euro pro Person seien unter Berücksichtigung des Verdienstes und der beruflichen Stellung des Klägers nicht unangemessen hoch.

Die Revision wurde nicht zugelassen, so dass das Urteil (Link auf das Urteil) rechtskräftig ist.
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