Bund der Steuerzahler NRW - Behindertengerechte Dusche absetzbar

Steuer > Urteile und Änderungen
09.02.2015

Behindertengerechte Dusche absetzbar

Urteil zu Krankheitskosten fällt zugunsten der Steuerzahler


(Foto:fotolia)
Die Kosten für den behindertengerechten Umbau einer Dusche sind steuerlich zu berücksichtigen, wenn der Umbau allein wegen der Behinderung erfolgen muss. So entschied das Finanzgericht Baden-Württemberg (Az. 1 K 3301/12 ).

In einem Verfahren vor dem Finanzgericht Baden-Württemberg war streitig, in welchem Umfang Aufwendungen für den behindertengerechten Umbau einer Dusche als außergewöhnliche Belastung abziehbar sind. Die Klägerin bewohnte ihr eigenes Haus. Sie war aufgrund ihrer fortschreitenden Behinderung nicht mehr in der Lage, in die Badewanne zu steigen. Daher bescheinigte ihr Arzt, dass „wegen schwerer Erkrankung mit Gangstörung (…) der rollstuhlgerechte Umbau der Dusche dringend erforderlich“ sei. Nach dem Umbau war die Dusche bodengleich und mit einem Rollstuhl befahrbar; vorher musste die Klägerin in die Duschwanne steigen.

Finanzamt lehnte ab

Die Klägerin machte die Umbaukosten in der Einkommensteuererklärung als außergewöhnliche Kosten geltend. Die Anerkennung lehnte das Finanzamt ab, mit Ausnahme weniger Aufwendungen. Nach seiner Auffassung könnten nur die Mehrkosten Berücksichtigung finden, die konkret auf die krankheits- bzw. behindertengerechte Ausgestaltung des Badeszimmers zurückzuführen seien. Das seien vorliegend nur die Kosten für das rollstuhlbefahrbare Duschelement einschließlich der insoweit erforderlichen Anschlussteile und Fliesen zur Auskleidung des Duschelements, nicht aber die sonstigen Kosten. Die Klägerin habe kein Sachverständigengutachten zu der Frage vorgelegt, welche bauliche Maßnahmen durch die Krankheit bzw. Behinderung verursacht sind.

Zusätzliche Krankheitskosten

Mit der eingereichten Klage beantragte die Klägerin, die vollen Umbaukosten als außergewöhnliche Belastung steuerlich zu berücksichtigen. Das Finanzgericht Baden-Württemberg gab der Klage statt. Da es sich in dem vorliegenden Fall um zusätzliche Krankheitskosten handele, seien diese nicht schon mit dem Behindertenpauschbetrag abgegolten. Es sei auch kein Hinderungsgrund, dass es sich bei der Immobilie um Wohneigentum handele und damit durch den behindertengerechten Umbau ggf. eine Werterhöhung stattfände. Denn die Notwendigkeit einer behindertengerechten Ausgestaltung des Wohnumfelds und damit die Zwangsläufigkeit der darauf entfallenden Mehrkosten aus tatsächlichen Gründen beruht nicht auf der frei gewählten Wohnsituation des Steuerpflichtigen, sondern auf seiner Krankheit oder Behinderung. Damit träte die Erlangung eines etwaigen Gegenwerts in Anbetracht der Gesamtumstände in den Hintergrund.
Nicht geltend gemacht werden könnten hingegen Aufwendungen für Baumaßnahme, für die die Krankheit oder Behinderung nicht ursächlich sind und die lediglich die Gelegenheit eines behindertengerechten Umbaus nutzten.

Linderung der Beschwerden

Vorliegend wurde wegen der Behinderung der Klägerin die alte Duschwanne entfernt und durch ein bodengleiches Duschelement ersetzt. Die Aufwendungen für das entsprechende Material und die Arbeitsleistung dienen unmittelbar der Linderung der Beschwerden der Klägerin. Abziehbar seien aber als notwendige Folgekosten auch die Aufwendungen für eine neue – längere – Tür, da ansonsten die Dusche nicht mehr bestimmungsgemäß nutzbar wäre. Das gleiche gelte für die Wandfliesen und die Armaturen, die durch den Ausbau der alten Duschwanne zumindest teilweise beschädigt wurden bzw. an die neue Tiefe der Dusche anzupassen waren. Im Übrigen wäre ohne die Behinderung der Klägerin die Dusche überhaupt nicht umgebaut worden und wären auch keine längere Tür sowie neue Fliesen und Armaturen notwendig geworden.
Die Klägerin bekam demzufolge in allen Punkten Recht.

Hilfe zum Thema bekommen Sie hier:
BdSt-Ratgeber Nr. 56 „Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen in Privathaushalten“ BdSt-Ratgeber Nr. 71 „Absetzbarkeit von Krankheitskosten“
www.steuerzahler-nrw.de im geschützten Mitgliederbereich
Suche
Staatsverschuldung in NRW
0
Zuwachs / Sekunde
0
Schulden / Kopf
0