Bund der Steuerzahler NRW - 162 Euro für eine Theaterkarte - zuviel?

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19.10.2014

162 Euro für eine Theaterkarte - zuviel?

BdSt NRW vergleicht die Zuschüsse für die Schauspiel- und Opernhäuser.


(Foto: Reimer, Pixelvario, Fotolia)
Knapp 390 Millionen Euro haben die 22 Großstädte Nordrhein-Westfalens in der Spielzeit 2011/2012 für ihre Schauspiel- und Opernhäuser ausgegeben. 5,8 Millionen Euro mehr als noch in der Spielzeit 2009/2010. Dabei sind es vor allem Aachen, Düsseldorf, Dortmund und Köln, die ihre Zuschüsse deutlich erhöht haben. Ein Blick auf die Besucherzahlen und die Zuwendungen pro Theaterkarte zeigt aber, dass steigende Zuschüsse nicht automatisch mehr Besucher bringen. Ein Grund mehr, dass bei angespannten Haushaltslagen darüber nachgedacht wird, die Zuschüsse durch Theaterehen, oder weniger Spielstätten zu senken.

Düsseldorf. Das Schauspiel- und das Opernhaus sind der Stadt Düsseldorf offenkundig heilig. Den Düsseldorfer Bürgern hoffentlich auch, denn sie zahlen nicht gerade wenig dafür: In der Spielzeit 2011/1012 waren es insgesamt 58,9 Millionen Euro, der höchste Zuschuss, der von 22 der insgesamt 28 Großstädten* Nordrhein-Westfalens für Schauspiel und Oper gezahlt wurde. Und: Nochmal 1,1 Millionen Euro mehr als in der Spielzeit 2009/2010, als Düsseldorf ebenfalls den ersten Platz bei den höchsten Zuweisungen ausgab. Auf Platz 2 liegt Köln mit 52,9 Millionen Euro (51,9 Millionen Euro in der Spielzeit 2009/2010), auf Platz 3 Essen mit 37,6 Millionen Euro (37,9 Millionen Euro). Alle drei lagen damit deutlich über dem Landesdurchschnitt von 18,5 Millionen Euro, wie die Zahlen des Deutschen Bühnenvereins im Statistischen Jahrbuch NRW 2013 zeigen.

Nun wird gerne eingewandt, dass Theater und Oper ein wichtiges kulturelles Gut sind, dass dieses Gut aufrechterhalten werden muss, insbesondere in den Großstädten des Landes, und dass dazu die Einnahmen nun mal nicht ausreichen. Also müssen eben die Städte - und damit die Steuerzahler - ihren Teil beitragen, und naturgemäß ist dieser Beitrag in den größten Städten mit dem größten kulturellen Angebot auch am höchsten. Das ist alles richtig. Aber auch wenn man den Zuschuss pro Theaterkarte errechnet, liegt Düsseldorf mit einer Zuwendung von 162 Euro pro Theaterbesucher auf dem Spitzenplatz, dicht gefolgt von Dortmund und Köln, wo 154 beziehungsweise 144 Euro pro Karte vom Steuerzahler aufgebracht werden.

Zudem verrät die Statistik auch, dass hohe Zuschüsse allein nicht reichen, um Besucher anzulocken und für das Theater und die Oper zu begeistern. So hat die Stadt Köln sechs Millionen Euro weniger für ihre Schauspiel- und Opernstätten ausgegeben als Düsseldorf, konnte aber 5.000 Besucher mehr verzeichnen. Und in Essen, wo für das Kulturgut Theater 20 Millionen Euro weniger investiert werden als in Düsseldorf, verzeichnete man nur 30.000 Besucher weniger als in der Landeshauptstadt. Zum Vergleich: In Mülheim an der Ruhr kamen 2012 insgesamt 35.000 Besucher ins Theater, die Stadt steckte aber nicht 20 Millionen Euro in den Theaterbetrieb, sondern nur 1,4 Millionen Euro.

So könnten die Zuschüsse sinken
Auch der Vergleich mit den Zahlen aus der Spielzeit 2009/2010 zeigt, dass viel Geld allein nicht ausreicht, um für das Theater zu begeistern. So hat Düsseldorf 2012 1,1 Millionen Euro mehr für Schauspiel und Oper ausgegeben als 2010. Zugleich sanken die Besucherzahlen von 464.000 auf 363.000. In Mönchengladbach und Krefeld dagegen, wo man seit mehreren Jahren das Theater zusammen betreibt, wurden die Zuwendungen im Vergleich zu 2009/2010 um mehr als zwei Millionen Euro gesenkt, trotzdem stieg die Zahl der Theaterbesucher um mehr als 30.000. Damit liegt der Zuschuss pro Theaterkarte nun nicht mehr bei 144 Euro, sondern bei 113 Euro.

Angesichts dieser Zahlen muss in Zeiten angespannter Haushaltslagen auch darüber diskutiert werden dürfen, die Zuschüsse für Schauspiel und Oper zu senken, ohne dass gleich „Kulturbanause“ geschrien wird. Schließlich geht es auch nicht darum, den Betrieb ganz einzustellen. Die Kosten könnten aber beispielsweise durch Theaterehen, wie Mönchengladbach und Krefeld sie eingegangen sind, deutlich reduziert werden. Düsseldorf ist im Bereich der Oper, die gemeinsam mit der Stadt Duisburg finanziert und betrieben wird, bereits einen Schritt in diese Richtung gegangen. Über weitere Projekte sollte nachgedacht werden. Eine weitere Möglichkeit, um die Kosten zu senken, wäre es, das Programm nicht mehrmals pro Woche zu wechseln, wie in vielen Häusern üblich. Denn der permanente Bühnenumbau treibt die Kosten unnötig in die Höhe.

Die Zahl der Spielstätten ist ebenfalls ein nicht unerheblicher Kostenfaktor. In der Landeshauptstadt gibt es gleich sieben Stück, in Dortmund acht, in Köln gar zwölf. Überall muss eine Bestuhlung vorhanden sein und erhalten werden, ebenso die Bühne und die Bühnentechnik und so weiter. Weniger Spielstätten würden also deutlich weniger kosten.

Auch eine Anhebung der Kartenpreise ist eine Alternative, über die man nachdenken sollte. Denn langfristig wird es auch theaterbegeisterten Düsseldorfern nicht gefallen, dass ihre Stadt pro verkaufte Theaterkarte mehr als 150 Euro dazu bezahlt, während es im benachbarten Essen nur 114 Euro sind, und im ebenfalls benachbarten Neuss sogar nur 68 Euro.



*Der Vergleich beschränkt sich auf die aufgelisteten 22 Großstädte, da im Statistischen Jahrbuch 2013, der Grundlage des Vergleichs ebenfalls nur diese 22 Städte aufgeführt sind.
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